Montag, 29. August 2011

Die 7 Plagen


Die "Offenbarung des Johannes", das letzte Buch der Bibel, ist die schriftlich überlieferte Vision eines Urchristen zu Beginn des 2. Jahrhunderts. In einer bildgewaltigen Sprache wird vom "Ende der Welt" und dem Beginn einer neuen berichtet. Wie alle Heiligen Schriften ist die Vision nicht gegenständlich zu verstehen; sie beinhaltet mit Worten beschriebene Bilder des kollektiv Unbewussten, die bei der "Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion" in das Bewusstsein dringen. Der einzige Zweck der Religion war (und ist noch) die Anpassung der halbwegs zivilisierten Menschheit an eine fehlerhafte (kapitalistische) Marktwirtschaft und die daraus entstehende systemische Ungerechtigkeit, die der Kulturmensch nicht erkennen darf, um mit seiner Existenz in "dieser Welt" (zivilisatorisches Mittelalter) zufrieden zu sein. Je höher die "gesellschaftliche Position", desto schlimmer sind die geistigen Plagen für denjenigen, der sich auf den Erkenntnisprozess der Auferstehung einlässt. Die Bedeutung der archetypischen Bilder und Metaphern ist erst im Nachhinein zu erkennen. Götter sind durch Schöpfungsmythen im Unterbewusstsein einprogrammierte, künstliche Archetypen, Schutzengel sind Denkblockaden, andere Engel sind befreiende Gedanken und die neue Welt, das "Reich Gottes", ist der zivilisatorische Normalzustand der Vollinvestition, bei dem niemand mehr einen unverdienten Knappheitsgewinn ("Frucht vom Baum der Erkenntnis") auf Kosten der Mehrarbeit anderer erzielen kann:    

(Lutherbibel 1984 / Offenbarung 16,1-2) Und ich hörte eine große Stimme aus dem Tempel, die sprach zu den sieben Engeln: Geht hin und gießt aus die sieben Schalen des Zornes Gottes auf die Erde! Und der erste ging hin und goss seine Schale aus auf die Erde; und es entstand ein böses und schlimmes Geschwür an den Menschen, die das Zeichen des Tieres hatten und die sein Bild anbeteten:


(Lutherbibel 1984 / Offenbarung 16,3) Und der zweite Engel goss aus seine Schale ins Meer; und es wurde zu Blut wie von einem Toten, und alle lebendigen Wesen im Meer starben:


(Lutherbibel 1984 / Offenbarung 16,4-7) Und der dritte Engel goss aus seine Schale in die Wasserströme und in die Wasserquellen; und sie wurden zu Blut. Und ich hörte den Engel der Wasser sagen: Gerecht bist du, der du bist und der du warst, du Heiliger, dass du dieses Urteil gesprochen hast; denn sie haben das Blut der Heiligen und der Propheten vergossen, und Blut hast du ihnen zu trinken gegeben; sie sind's wert. Und ich hörte den Altar sagen: Ja, Herr, allmächtiger Gott, deine Gerichte sind wahrhaftig und gerecht:


(Lutherbibel 1984 / Offenbarung 16,8-9) Und der vierte Engel goss aus seine Schale über die Sonne; und es wurde ihr Macht gegeben, die Menschen zu versengen mit Feuer. Und die Menschen wurden versengt von der großen Hitze und lästerten den Namen Gottes, der Macht hat über diese Plagen, und bekehrten sich nicht, ihm die Ehre zu geben:


(Lutherbibel 1984 / Offenbarung 16,10-11) Und der fünfte Engel goss aus seine Schale auf den Thron des Tieres; und sein Reich wurde verfinstert, und die Menschen zerbissen ihre Zungen vor Schmerzen und lästerten Gott im Himmel wegen ihrer Schmerzen und wegen ihrer Geschwüre und bekehrten sich nicht von ihren Werken:


(Lutherbibel 1984 / Offenbarung 16,12-16) Und der sechste Engel goss aus seine Schale auf den großen Strom Euphrat; und sein Wasser trocknete aus, damit der Weg bereitet würde den Königen vom Aufgang der Sonne. Und ich sah aus dem Rachen des Drachen und aus dem Rachen des Tieres und aus dem Munde des falschen Propheten drei unreine Geister kommen, gleich Fröschen; es sind Geister von Teufeln, die tun Zeichen und gehen aus zu den Königen der ganzen Welt, sie zu versammeln zum Kampf am großen Tag Gottes, des Allmächtigen. – Siehe, ich komme wie ein Dieb. Selig ist, der da wacht und seine Kleider bewahrt, damit er nicht nackt gehe und man seine Blöße sehe. – Und er versammelte sie an einen Ort, der heißt auf Hebräisch Harmagedon:


(Lutherbibel 1984 / Offenbarung 16,17-21) Und der siebente Engel goss aus seine Schale in die Luft; und es kam eine große Stimme aus dem Tempel vom Thron, die sprach: Es ist geschehen! Und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner, und es geschah ein großes Erdbeben, wie es noch nicht gewesen ist, seit Menschen auf Erden sind – ein solches Erdbeben, so groß. Und aus der großen Stadt wurden drei Teile, und die Städte der Heiden stürzten ein. Und Babylon, der großen, wurde gedacht vor Gott, dass ihr gegeben werde der Kelch mit dem Wein seines grimmigen Zorns. Und alle Inseln verschwanden, und die Berge wurden nicht mehr gefunden. Und ein großer Hagel wie Zentnergewichte fiel vom Himmel auf die Menschen; und die Menschen lästerten Gott wegen der Plage des Hagels; denn diese Plage ist sehr groß:



Stefan Wehmeier, 29. August 2011



Sonntag, 28. August 2011

Natürliche Wirtschaftsordnung

Wirtschaftliche und soziale Auswirkungen

Dr. Ernst Winkler (aus „Theorie der Natürlichen Wirtschaftsordnung“, 1952)

Es wird im Allgemeinen angenommen, dass die Natürliche Wirtschaftsordnung die ganze Weltwirtschaft beherrscht, aber alle Aussagen gelten mit geringfügigen sinngemäßen Einschränkungen auch für einen einzelnen Staat, der mit der Einführung der Natürlichen Wirtschaftsordnung vorangegangen ist.

a) Wirtschaftliche Auswirkungen.

Die auffälligste wirtschaftliche Auswirkung der Natürlichen Wirtschaftsordnung ist das Fehlen der Krisen und Depressionen. Stattdessen herrscht eine beständige Konjunktur, wobei Produktion, Preise und Löhne entweder konstant bleiben oder ganz langsam und stetig steigen. Sie werden nur nach den Regeln des freien Wettbewerbes bestimmt ohne gewaltsame äußere Eingriffe durch so genannte Rechtsordnungen oder gesetzliche Regelungen vonseiten des Staates oder irgendwelcher Organisationen und haben ein Höchstmaß an Elastizität, d. h. Anpassungen an kleinste Änderungen des Wirtschaftsgeschehens. Die staatliche oder gesellschaftliche Wirtschaftsführung begnügt sich damit, die sich langsam ändernden Bedürfnisse des Wirtschaftslebens durch geringfügige Korrekturen der umlaufenden Geldmenge nach der Politik der Indexwährung zu befriedigen (Anmerkung: Der Ausdruck ist etwas unglücklich gewählt, denn zur dauerhaften Stabilisierung einer konstruktiv umlaufgesicherten Indexwährung bedarf es keiner "Politik", schon gar keiner Machtpolitik im heutigen Sinne. Es handelt sich um eine rein verwaltungstechnische und überschaubare Aufgabe, die mit etwa 10% der heute bei der Deutschen Bundesbank Beschäftigten problemlos zu bewerkstelligen ist.) und im übrigen nur alle Störungen von dem in dynamischen Gleichgewichtszuständen fortschreitenden Wirtschaftsgeschehen fernzuhalten. Das für die kapitalistische Wirtschaftsordnung verderbliche Missverhältnis von Investitionszwang und mangelnden Investitionsmöglichkeiten ist aus zwei Gründen restlos aufgehoben. Erstens ist nach Beseitigung der einseitigen Einkommensverteilung ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen Verbrauch und Investition entstanden durch eine wesentliche Steigerung des Verbrauchs auf Kosten der Investition; zweitens eröffnen sich der Investition durch Wegfall des Zinses (Rentabilitätshürde des Urzinses) unerhört neue und praktisch unbegrenzte Möglichkeiten. Jede für die Allgemeinheit nützliche Vermögensanlage in industriellen und allgemeinen wirtschaftlichen Projekten, die bisher wegen ungenügender Rentabilität unterbleiben musste, ist möglich, für den Unternehmer lohnend und für den Sparer erwünscht. Es können Wüsten bewässert und ganze fruchtbare Landstriche unter Glas gelegt werden; für den Bau von Eisenbahnen, Straßen und Kanälen gibt es keine Hemmungen aus Rentabilitätsgründen. Dazu kommt noch ein besonderer Anreiz zu Erfindungen, technischen Neuerungen und zur Schaffung neuer Kapitalarten durch eine Sonderprämie in Gestalt einer Rente (verdienter Knappheitsgewinn aufgrund technischer Innovation), die zwar zeitlich begrenzt ist, aber vorübergehend sogar sehr hoch sein kann. Die Möglichkeit von Wirtschaftskrisen ist zwar insofern noch nicht ganz ausgeschaltet, als es noch immer Teilkrisen infolge fehlgeleiteter Investition geben kann. Aber abgesehen davon, dass diese weder im Ausmaß noch im Umfang ihrer Wirkung mit der allgemeinen Krise verglichen werden können und tatsächliche Reinigungskrisen und Gesundungsprozesse darstellen, sind auch für sie die Entstehungsmöglichkeiten infolge der erhöhten Elastizität, also der empfindlichen Anpassungsvorgänge aller Wirtschaftserscheinungen auf ein bis dahin unbekanntes Maß herabgesetzt.

b) Soziale Auswirkungen im Allgemeinen.

Die sozialpolitische Wertung der Natürlichen Wirtschaftsordnung erhalten wir am einfachsten und überzeugendsten, wenn wir von den gegeißelten, empörenden Missständen der kapitalistischen Geldwirtschaft zu der denkbar gerechtesten und zweckmäßigsten sozialen Ordnung der kapitalfreien Tauschwirtschaft zurückkehren, aber zugleich die Vorteile des Geldes, der Vermögensbildung und sogar einer vorübergehenden Kapitalbildung bestehen lassen. Es gibt in der Natürlichen Wirtschaftsordnung kein arbeitsloses Einkommen mehr oder genauer gesagt: kein Einkommen ohne sozialpolitisch wertvolle Leistung. Die beiden Arten des arbeitslosen Einkommens (unverdienter Knappheitsgewinn), Zins (einschließlich der Sachkapitalrente) und Spekulationsgewinn, sind restlos beseitigt, die erste durch das natürliche wirtschaftliche Gleichgewicht selbst, die zweite durch die normalen, stetigen und krisenfreien Wirtschaftsverhältnisse. Die vorübergehende Rente für neu geschaffene Kapitalien (verdienter Knappheitsgewinn) kann, wenn nicht als ausgesprochenes Arbeitseinkommen, so zum wenigsten als gerechte und zweckmäßige Sonderprämie für besondere Leistungen angesehen werden. Das Geld ist also nichts anderes als der Nachweis vollbrachter und empfangener Leistung und Berechtigungsschein für den Empfang gleichwertiger Gegenleistung. Das Tauschverhältnis aber zwischen vollbrachter und empfangener Leistung bestimmt nicht irgendeine staatliche oder gesellschaftliche Autorität nach willkürlich festgesetzten Maßstäben, sondern entscheiden die Wirtschaftsteilnehmer selbst im freien Wettbewerb. Eine gerechtere Wirtschaftsordnung als diese kann es nicht geben, die notwendig von allen Teilnehmern selbst als gerecht empfunden werden muss und die sozusagen jedem zugleich das „größte“ Stück sichert.
    Hieraus folgt weiter, dass die krassen Unterschiede zwischen den Einkommens- und Vermögensverhältnissen beseitigt sind. Es bestehen nur noch die in Fleiß und Leistungsbereitschaft der einzelnen Wirtschaftsteilnehmer begründeten Unterschiede, die grundsätzlich Not und Elend ebenso ausschließen wie den erstickenden Überfluss und die in ihrem wesentlich bescheideneren Ausmaß durchaus berechtigt sind. Die wenigen, wegen Arbeitsunfähigkeit unterstützungsbedürftigen Fälle können zum größten Teil privat und zum kleineren Teil ohne spürbare Belastung von der Allgemeinheit getragen werden.
    Der Einkommensausgleich zwischen den Wirtschaftsteilnehmern fördert auch den sozialen Ausgleich der Standesunterschiede, da die verschiedenen Stände und Berufe sich nicht mehr in erster Linie wirtschaftlich unterscheiden. Dazu kommt, dass die Berufswahl nicht mehr durch wirtschaftliche und soziale Vorrechte, sondern nur durch Begabung und Neigung bestimmt wird. Denn ihre finanziellen Vorbedingungen sind wegen des weitgehenden Einkommensausgleichs nicht mehr so entscheidend. Auch die kulturellen Güter: Wissenschaft, Kunst, Vergnügen und Reisen sind nicht mehr das Vorrecht bestimmter Stände oder des Geldbeutels, sondern ausschließlich Vorrecht der Begabung und Neigung. Es steht jedem frei, sein Einkommen mehr für materielle oder mehr für ideelle Güter zu verbrauchen und seine Zeit in höherem Maß auf den Gelderwerb oder mit Einschränkung seines materiellen Lebensstandards auf persönliche Liebhabereien zu verwenden. Es hat auch jeder die Wahl, ob er die durch eine bescheidenere Lebensführung erkaufte Freizeit gleichmäßig auf alle Arbeitstage des Jahres verteilen oder in geschlossene Urlaubszeiten vereinigen will. Jedenfalls genügt für den kleinen Mann zur Erreichung seines jetzigen Lebensstandards, wie wir sogleich näher begründen werden, ein Bruchteil der jetzt nötigen Arbeitszeit. Auch Urlaub und Freizeit sind also in der Natürlichen Wirtschaftsordnung keine Standesvorrechte mehr.
    Der Einkommensausgleich bedeutet naturgemäß eine Einkommenserhöhung für die bisher so genannten „unteren“ Schichten der Bevölkerung. Dazu kommt aber noch eine weitere, sehr beträchtliche Einkommenserhöhung infolge der Steigerung und des ungestörten Verlaufs der Produktion, da ja das Einkommen in der Natürlichen Wirtschaftsordnung nur der leistungsmäßige Anteil des Einzelnen an der Gesamtproduktion ist. Erstens fallen alle Unterbrechungen, Hemmungen und Störungen der Produktion durch Depression und Absatzkrisen fort zugunsten einer andauernden und stetigen Konjunktur; in diesen Zusammenhang gehört auch die in der Natürlichen Wirtschaftsordnung folgende Beseitigung der großen Menschheitskatastrophen in Form der Völkerkriege. Zweitens sind alle Kräfte unmittelbar oder mittelbar tätig in den Produktionsprozess eingegliedert, sowohl die bisher von fremdem Fleiß lebenden Kapitalisten und Spekulationsgewinnler als auch die große, bis zu 40 % der Bevölkerung ausmachende Zahl von Menschen, die in unproduktiver Weise nur vom Zwischenhandel, also von der Verteilung und Verteuerung der Güter lebten. Denn die von Depressionen und Absatzkrisen freie beständige Konjunktur und die laufende hohe Nachfrage von Verbrauchsgütern von Seiten der gut verdienenden breiten Massen machen den aufgeblähten Handelsapparat mit allen Vertretern und aller Geschäftsreklame überflüssig. Das Leben ist „billig“ in dem Sinn, dass man für die gleiche Arbeitsleistung als Tauschwert ein Vielfaches an Gütern erhält, verglichen mit unserer kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Das bedeutet zugleich, dass das Einkommen der breiten Massen, vor allem der so genannten „unteren“ Schichten, sich im Verhältnis vervielfacht.

c) Soziale Auswirkungen im Einzelnen.

1. Der Arbeiter sieht in der Natürlichen Wirtschaftsordnung endlich seine Forderung nach sozialer Gerechtigkeit erfüllt, während der Geldkapitalismus ihn entweder brutal abweist oder achselzuckend bemitleidet oder bestenfalls mit armseligen Almosen in Form von sozialer Fürsorge abzuspeisen sucht. Er hat als Angehöriger des bisher untersten Standes den größten Vorteil der vorstehend geschilderten wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen. Wir brauchen sie nicht nochmals zu wiederholen, sondern wollen die geänderte Sachlage nur durch ein einziges kleines Beispiel schlaglichtartig beleuchten: Es ist in der Natürlichen Wirtschaftsordnung sehr leicht möglich, dass ein begabter Arbeiter bei bescheidenem persönlichem Lebensaufwand nebenher einen Privatgelehrten oder Künstler abgibt oder umgekehrt: dass ein Privatgelehrter oder Künstler sich nebenbei in der Fabrik seinen notwendigen Lebensunterhalt verdient, solange seine „höhere“ kulturelle Tätigkeit als materielle Lebensgrundlage nicht ausreicht.

2. Der Beamte und Angestellte muss es sich gefallen lassen, dass auch er nur nach seiner Arbeitsleistung bezahlt wird. Jeder Mehrertrag seines Einkommens, der als Rente für das in der Berufsausbildung investierte Kapital aufzufassen ist, fällt weg. Dafür erspart er auch die Opfer und finanziellen Schwierigkeiten dieser Ausbildung. Sein etwa noch bestehendes Mehreinkommen gegenüber dem Arbeiter ist nur in seiner höherwertigen Leistung begründet und wird im freien beruflichen Wettbewerb nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage entschieden. Das Angebot für diese Berufe stellen alle begabten und strebsamen Menschen mit Wegfall der bisherigen sozialen und wirtschaftlichen Bevorrechtungen. Daher wird das Realeinkommen des Beamten und Angestellten nicht mehr so hoch über dem des Arbeiters stehen, aber im Vergleich zu seiner jetzigen Höhe noch immer beträchtlich größer sein, von wenigen Spitzengehältern abgesehen.

3. Der Bauer steht naturgemäß der Natürlichen Wirtschaftsordnung zunächst ablehnend gegenüber, weil die Sozialisierung des Bodens seinen bäuerlichen Besitzstolz bedroht. Der Bauer hat für seine Ablehnung nur psychologische, wenn auch vielleicht sehr starke psychologische, aber keine sachlichen Gründe. Denn er wehrt sich gegen eine entschiedene Besserung seiner Lage, weil er sich an eine Fiktion klammert. Oder ist für ihn das „Eigentum“ des Bodens etwas anderes als eine Fiktion? Der Bauer hat in der Natürlichen Wirtschaftsordnung Teil an der allgemeinen Wirtschaftsbelebung und der Erhöhung, ja Vervielfachung der unteren Einkommen und hat dabei das uneingeschränkte Verfügungsrecht über seinen Bauernhof sehr im Gegensatz zu den zahlreichen Perioden der kapitalistischen Misswirtschaft, die ihm die Art der Bebauung und Bewirtschaftung sowie den Preis seiner Erzeugnisse durch gesetzliche Regelung, polizeiliche Überwachung oder kapitalistischen Druck vorschreiben. Freilich: er zahlt einen Pachtzins, d. h. er zahlt je nach Größe seines Grundbesitzes eine Einkommenssteuer, die lediglich den sozialen Ausgleich für den verschieden hohen Ertrag der einzelnen Kapitalien bedeutet. Die Höhe dieses Pachtzinses steht in keinem Verhältnis zu den hohen Zins- und Tilgungsraten, die der Bauer in der heutigen Wirtschaftsordnung fast regelmäßig aufbringen muss, um z. B. seine Miterben auszuzahlen. Sie wird überdies durch den freien Wettbewerb der Bauern selbst bestimmt, kann sich also niemals ungünstig verschieben wie die Zinsen des gegenwärtigen Systems, so dass der Bauer oft von der finanziellen Last erdrückt und von Haus und Hof vertrieben wurde. Der Pachtvertrag läuft je nach Vereinbarung auf 5, 10 und 20 Jahre oder Lebenszeit mit Vorpachtrecht für die Kinder und die nächsten Angehörigen und er sichert dem Bauern und seiner Familie den „Besitz“ des Hofes wesentlich besser als unsere gegenwärtige Wirtschaftsordnung. Andererseits kann der Bauer jederzeit ohne finanzielle Verluste und wirtschaftliche Schwierigkeiten zum Wanderstab greifen und umsiedeln. Ein Raubbau am Boden kann leicht durch Entschädigungspflicht des Bauern verhindert werden, wobei die Kontrolle sich unter anderem auf den Vergleich mit dem nächstfolgenden, im freien Wettbewerb entschiedenen Pachtzins stützen kann.

4. Der Sparer wird ebenfalls aufgrund einer nur flüchtigen Kenntnis zunächst ein ablehnendes Urteil über die Natürliche Wirtschaftsordnung fällen. Aber seine psychologische Hemmung kann leichter beseitigt, sein Irrtum leichter aufgeklärt werden. Es ist richtig, dass die Ersparnisse nicht mehr als Kapital, sondern nur noch als reines Vermögen angelegt werden können. Daher gibt es keine andere Nutznießung von Ersparnissen als die Aufzehrung des ersparten Vermögens und es gibt keine andere Vermögensbildung als aus den Ersparnissen des Arbeitseinkommens. Damit ist der eigentliche und ursprüngliche Zweck des Sparens wieder hergestellt: zweckmäßige zeitliche Verteilung im Verbrauch des Arbeitseinkommens, aber nicht Gewinnung eines zusätzlichen arbeitslosen Einkommens. Dass durch den Wegfall des Zinses der Anreiz zum Sparen nicht geringer wird, ist begründet durch die Gleichheit des relativen Zinsfußes zwischen -5% und 0% in der Natürlichen Wirtschaftsordnung sowie zwischen 0% und +5% in der kapitalistischen Geldwirtschaft. Aber der Sparer fühlt sich betrogen; denn er verliert den bescheidenen Zins seiner sauer verdienten Ersparnisse, er verliert die Möglichkeit einer zusätzlichen Vergrößerung seines Sparguthabens im Laufe der Zeit. Und doch zeigt ihm eine einfache Rechnung, um wie viel er sich dabei im Ganzen genommen besser stellt. Denn es ist nur eine bescheidene Schätzung, wenn wir beispielsweise eine Verdoppelung des Einkommens für den kleinen Sparer annehmen. Wenn er nun bisher 10% seines Einkommens gespart hat, so könnte er also in der Natürlichen Wirtschaftsordnung bei gleichem Lebensstandard 110% seines früheren Einkommens, also das elffache seiner früheren Ersparnis zurücklegen. Allerdings wird er seinen Lebensstandard heben und vielleicht nur das Drei- oder Fünffache von früher sparen, aber auch damit eine Summe erreichen, die ihm früher auch mit allen Zinsen und Zinseszinsen der kapitalistischen Geldwirtschaft bei Lebzeiten unerreichbar war. Und diese Ersparnisse sind ihm gesichert in einer krisenfreien Wirtschaftsordnung. Wie viele Sparer haben schon ihr ganzes, sauer erworbenes Vermögen durch wirtschaftliche und politische Krisen mit Einschluss der Kriege oder zugunsten betrügerischer Kapitalisten oder bankrotter Spekulanten verloren? Ist es nicht besser, der Sparer verzichtet auf die trügerischen Zinsen und zehrt stattdessen ein Sparvermögen auf, das um ein Vielfaches größer und vor Verlusten gesichert ist? Aber wie soll er es einteilen, um damit gerade bis zum unbekannten Zeitpunkt seines Lebensendes auszukommen? Hierüber wird ihn der nächste Agent einer Lebensversicherung, die natürlich auch ohne Zins, aber nicht ohne Gewinn arbeitet, mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit aufklären. Auch der Abschluss weiterer Versicherungen für Alter, Krankheit, Unfall usw. ist dem freien Willen des Sparers anheim gestellt; denn die Gesellschaft wird sich keinesfalls mehr mit solchen Sozialversicherungen belasten, die bei den gegenwärtigen Wirtschaftsverhältnissen des unzulänglichen Arbeitseinkommens, der Wirtschaftskatastrophen und der Arbeitslosigkeit nur einen notwendigen und sehr mangelhaften Ausgleich für die Sünden unseres Wirtschaftssystems darstellen.

5. Der Unternehmer betrachtet von vorneherein alle sozialen oder gar sozialistischen Reformversuche mit wohlbegründetem Misstrauen. In der Tat versuchen sie zumeist die praktischen Konsequenzen aus der marxistischen Lehre zu ziehen, der Unternehmer sei der Ausbeuter, also der natürliche Feind des Arbeiters.
    Unsere Untersuchungen haben diesen grundsätzlichen Irrtum berichtigt und mit aller Schärfe abgelehnt. Nicht zwischen dem Arbeiter und dem Unternehmer verläuft die Kampffront, sondern zwischen dem Arbeitseinkommen und dem arbeitslosen Einkommen wird der klare Trennungsstrich gezogen – quer durch alle Berufe und Stände. Nur das echte Proletariat, also der völlig mittellose Arbeiter steht ganz auf der einen Seite, nur der reine Kapitalist, also der ausschließlich vom Rentenertrag (Zinsen und Renditen) lebende „funktionslose Investor“ (nach J. M. Keynes) steht ganz auf der anderen Seite dieser Linie. Der reine Unternehmergewinn und auch der reine Handelsgewinn – „rein“, d. h. säuberlich geschieden von allen Zins-, Renten- und Spekulationsgewinnen – ist Arbeitseinkommen so gut wie der Lohn des Arbeiters. Freilich, die Trennungslinie geht auch durch das Herz und den Geldbeutel des einzelnen Wirtschaftsteilnehmers hindurch – beim Unternehmer noch fühlbarer und schmerzlicher als beim Bauern, Beamten und beim kleinen Sparer. „Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust“: die Seele des Unternehmers und die des Kapitalisten; „die eine muss sich von der anderen trennen“, so ungern sie auch will. Es bleibt keine andere Wahl, nicht nur im Interesse des Arbeiters, im Interesse der Gesamtheit, im Interesse einer funktionsfähigen und reibungslosen Wirtschaft – nein, auch gerade im eigensten wohlverstandenen Interesse des Unternehmers selbst, sofern er im Grund seines Wesens wirklich Unternehmer ist!
    Rein finanziell gesehen muss in der Natürlichen Wirtschaftsordnung der Unternehmer ebenso wie der selbständige Handwerker, der Bauer und der Beamte auf jenen Teil seines Einkommens verzichten, der sich aus der Rentabilität seines investierten Kapitals ergibt, zugunsten des dadurch erhöhten Arbeitseinkommens, wobei die Erhöhung allerdings für die größeren Einkommen relativ geringer ist als für die niedrigen. Es ist also ausschlaggebend, in welchem Verhältnis sich diese beiden Einkommensarten zusammensetzen; so gehört z. B. ein Unternehmer, der vorwiegend mit fremdem Kapital arbeiten muss, selbst zu den Ausgebeuteten des kapitalistischen Systems.
    Aber eine solche Rechnung verkennt den wahren Sachverhalt und den Ernst der Lage. Der Unternehmer, der an seiner Kapitalrente festhalten will, unterliegt der gleichen gefährlichen Täuschung wie der kleine Sparer, der auf die trügerischen Zinsen seines Sparguthabens nicht verzichten will. Beide bezahlen diese Illusion mit einem ungleich größeren Verlust, der die Existenz des Unternehmers noch viel unmittelbarer bedroht, als die des kleinen Sparers. Es ist eine trügerische Illusion, wenn der Unternehmer nur an die überhöhten Gewinne in den Perioden kapitalistischer Hochkonjunktur denkt und nicht an die immer wieder mit unausweichlicher innerer Notwendigkeit darauf folgenden Wirtschaftskrisen mit dem Zusammenbruch der meisten Unternehmungen und der Vernichtung ungezählter wirtschaftlicher Existenzen.
    Der von uns aufgedeckte Konstruktionsfehler des kapitalistischen Systems bedingt aber nicht nur diese periodisch wiederkehrende Schädigung des Unternehmertums, sondern er führt auf lange Sicht zu einer ernsten Gefährdung seiner Existenz durch die immer brennender werdende soziale Frage. Solange diese nicht endgültig gelöst und bereinigt ist, werden die Angriffe aus dem sozialistischen Lager gegen das Unternehmertum mit wachsendem Erfolg fortgesetzt in der Gewerkschaftspolitik, in den Kämpfen um Lohnerhöhung und Mitbestimmung, in den Sozialisierungsbestrebungen, die sich erfolgreich des staatlichen Machtapparates bedienen. Das Ziel ist die vollständige Sozialisierung der Produktionsmittel mit Vernichtung der freien Unternehmerinitiative – im genauen Gegensatz zu der von uns vorgeschlagenen „Sozialisierung“ des Kapitals mit Erhaltung des privaten Besitzes und des vollen Verfügungsrechtes über die Produktionsmittel. Diese sozialistische Entwicklungstendenz begegnet sich mit merkwürdiger Einmütigkeit mit der vielleicht noch gefährlicheren kapitalistischen Tendenz einer staatlichen Investitionspolitik, welche die Vollbeschäftigung um den Preis einer verlustreichen Investition ermöglichen, dem Staat das Risiko aufbürden und dem Kapital den ungeschmälerten Zinsertrag auch bei abnehmender Rentabilität zu Lasten des Steuerzahlers garantieren soll. Das Ende dieser Entwicklung kann nur sein, dass jedes freie Unternehmertum in der überwuchernden staatlichen Bürokratie vollends erstickt!
    Zwischen diesen sozialistischen und kapitalistischen Entwicklungstendenzen bedeutet die hier geschilderte Natürliche Wirtschaftsordnung den einzig möglichen Ausweg zur Rettung des Unternehmertums in einer freien und zugleich sozial gerechten Wirtschaft. Sie gewährt dem Unternehmertum genau das, was es zu seiner Entfaltung nötig hat: eine beständige, krisenfreie Vollbetriebswirtschaft mit fester Währung, stetiger Entwicklung der Löhne und Preise und gesichertem Absatz. Denn die Produktion schafft sich dank der Politik der Indexwährung mit Umlaufsicherung selbst den erforderlichen Absatz durch die ungehemmte Zirkulation des Geldes und zwar in gerechter Verteilung des Einkommensstromes auf die breite Masse der arbeitenden und verbrauchenden Bevölkerungsschichten. Die Macht des Kapitals, die Überlegenheit des Geldbesitzers über den Besitzer und den Produzenten der Waren ist gebrochen, Geld und Kapital sind der Produktion und Verteilung der Waren dienstbar geworden; denn auch eine Kapitalneubildung ist noch möglich, aber nur in den Händen und zu Gunsten des Unternehmers als eine vorübergehende Erscheinung, d. h. mit zeitlich begrenztem Rentenertrag als einmaligem Lohn für eine einmalige besondere Leistung.       


Die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Befreiung der Marktwirtschaft vom parasitären Gegenprinzip des Kapitalismus durch eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform (Natürliche Wirtschaftsordnung = echte Soziale Marktwirtschaft) können auch heute nicht besser zusammengefasst werden, sodass ich die Ausführungen von Dr. Ernst Winkler übernommen habe. Die auf den Sozialphilosophen Silvio Gesell (1862 – 1930) und sein makroökonomisches Grundlagenwerk „Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ (1916) basierende Freiwirtschaftslehre führt alle anderen makroökonomischen Theorien (Halbwahrheiten) ad absurdum und konnte sich allein aus psychologischen Gründen bis heute nicht durchsetzen; denn vor dem eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation steht die Überwindung der Religion:


Stefan Wehmeier, 28. August 2011


Freitag, 26. August 2011

Grande Finale

In sieben Tagen schuf Gott die Welt
doch sieben Tage sind echt zu knapp
Am achten Tag fand er das auch
schmiss sie ins Klo und zog ab

Udo Lindenberg (Grande Finale)

Schöpfungsmythen – es geht um die Schöpfung von Kultur (Arbeitsteilung) und nicht um die „Schöpfung von Natur“ – sind geniale metaphorische Beschreibungen der Makroökonomie einer Kultur, und die darin implizit enthaltenen Götter (künstliche Archetypen im kollektiv Unbewussten) bewirken eine selektive geistige Blindheit des arbeitenden Volkes gegenüber den elementaren makroökonomischen Konstruktionsfehlern, die zu systemischer Ungerechtigkeit führen. Wer nicht weiß, was Gerechtigkeit ist, darf auch nicht wissen, was Ungerechtigkeit ist, um eine Existenz in „dieser Welt“ (zivilisatorisches Mittelalter) ertragen zu können. Das war (und ist noch) der einzige Zweck der Religion (Rückbindung auf künstliche Archetypen), die vom Wahnsinn mit Methode zum Wahnsinn ohne Methode mutierte und uns – unabhängig von „Glaube“ oder „Unglaube“ – alle zu Untertanen machte, die ihr eigenes Programm nicht kennen. Die „7-Tage-Schöpfung“ (Genesis 1,1-2,4a), der heute „erste“ Schöpfungsmythos der Genesis, wurde nachträglich im 6. vorchristlichen Jahrhundert von der israelitischen Priesterschaft vor den heute „zweiten“ Schöpfungsmythos (Paradiesgeschichte, Genesis 2,4b-3,24) gesetzt, dessen Urform schon im 13. vorchristlichen Jahrhundert entstand:


Die letzten Priester, die die wirkliche Bedeutung der heute in Genesis 3,1-24 beschriebenen Erbsünde noch kannten, sahen die letzte Möglichkeit, um einen Rückfall der menschlichen Kultur in die Primitivität des Ursozialismus bzw. Staatskapitalismus (zentralistische Planwirtschaft ohne liquides Geld, vorantikes Ägypten) zu verhindern, darin, den unbewussten (bis heute religiös verblendeten) Kulturmenschen von der anfänglichen Basisfunktion „dem Investor höriger Unternehmer“ (jahwistische Schicht des alten Testamentes, Archetyp Jahwe = Investor) zur fatalen Funktion „dem Kapitalismus folgender Investor“ (priesterliche Schicht, Archetyp Elohim = Kapitalismus) umzuprogrammieren. Mit dieser „priesterlichen Großtat“ (Wahnsinn mit Methode) nahmen sie wissentlich in Kauf, dass die halbwegs zivilisierte Menschheit solange in systemischer Ungerechtigkeit sowie in totaler geistiger Umnachtung existieren würde, bis nicht nur die Lösung (Erlösung) für die Befreiung der Marktwirtschaft (Paradies) vom parasitären Gegenprinzip des Privatkapitalismus (Erbsünde) gefunden, sondern auch die reale Angst vor der größten anzunehmenden Katastrophe der Weltkulturgeschichte (Armageddon) größer sein würde, als die vom Mythos eingebildete Angst vor dem „Verlust“ der Religion:      

(Lutherbibel 1984 / Genesis 1,1-1,5) Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

Die Polarität „Himmel und Erde“ (lat.: caelum et terram) steht allgemein für „Ewigkeit und Vergänglichkeit“, wobei sich die „Ewigkeit“ auf das Zinsgeld, Anspruch auf Zinsgeld („Seele“) oder die Nachfrage bezieht und die „Vergänglichkeit“ auf die Waren, die Produktionsmittel oder das Angebot. Der erste Satz der Bibel bedeutet: Am Anfang schuf der Kapitalismus Finanzkapital und Sachkapital. Das „Wasser“ steht für „liquides Zinsgeld“ und der „Geist“ (auch „Hauch“, „Wind“ oder „wehender Wind“) bedeutet Geldbewegung oder Geldumlauf sowie den damit verbundenen, gegenläufigen Warenstrom, der eine kulturelle Entwicklung („Licht“ = Konjunktur) in Gang setzt.

(Lutherbibel 1984 / Genesis 1,6-1,8) Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern. Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so. Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag.

Die „Feste zwischen den Wassern“ ist die Rentabilitätsgrenze oder -hürde, die das verliehene, in Sachkapital angelegte Zinsgeld („Wasser über der Feste“) von dem nicht verliehenen, gehortetem Zinsgeld („Wasser unter der Feste“) trennt. Die Rentabilitätshürde des Urzinses ist für den Kapitalisten deshalb der „Himmel“, weil sie ihm ein arbeitsfreies Kapitaleinkommen (Urzins = „Frucht vom Baum der Erkenntnis“) auf Kosten der Mehrarbeit anderer sichert, das aus der Überlegenheit des Zinsgeldes („Ewigkeit“) gegenüber den Waren („Vergänglichkeit“) resultiert.

(Lutherbibel 1984 / Genesis 1,9-1,13) Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, dass man das Trockene sehe. Und es geschah so. Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war. Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume auf Erden, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist. Und es geschah so. Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringt, ein jedes nach seiner Art, und Bäume, die da Früchte tragen, in denen ihr Same ist, ein jeder nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. Da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag.

Das „Wasser unter dem Himmel“, das gehortete, liquide Zinsgeld, kann immer wieder in rentable Sachkapitalien investiert werden, die aus der Sicht des Kapitalisten „das Trockene“ darstellen, weil das Sachkapital („Erde“) im Unterschied zur Geldersparnis („Meer“) illiquide ist. Analog zum „Baum des Lebens“ (Geldkreislauf) und dem „Baum der Erkenntnis“ (Geldverleih) stehen „Früchte tragende Bäume“ in der Heiligen Schrift allgemein für „Gewinn bringende Unternehmungen“, und die „Samen“ sind neue Erkenntnisse und Techniken, die die Arbeitsteilung hervorbringt. Im Gegensatz zu den Früchten, die realwirtschaftlichen Unternehmungen entwachsen, ist die „Frucht vom Baum der Erkenntnis“ aber nichts anderes als Ausbeutung. Der Urzins ist die eigentliche Ursache für die systemische Ungerechtigkeit des Kapitalismus und für tatsächlich alles Leid dieser Welt!

(Lutherbibel 1984 / Genesis 1,14-1,19) Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre und seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so. Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne. Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, dass sie schienen auf die Erde und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, dass es gut war. Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag.

Die „Sonne“ symbolisiert den Tausch („Baum des Lebens“), der „Mond“ den Verleih („Baum der Erkenntnis“), und die „Sterne“ stehen für kulturelle Ziele. Diese Symbolik wurde aus dem alten Ägypten übernommen (Sonnengott Amun-Re, Mondgott Chons) und macht deutlich, wie ein Schöpfungsmythos funktioniert: Indem das Volk die Symbole gegenständlich - in diesem Fall astronomisch - interpretiert, was von der Priesterschaft unterstützt wird, werden die eigentlichen, makroökonomischen Bedeutungen aus dem Begriffsvermögen der Arbeiter (Untertanen) ausgeblendet, sodass diese die fehlerhafte (kapitalistische) Makroökonomie und die daraus resultierende Ausbeutung, die sie zu ertragen haben, nicht mehr erkennen.    

(Lutherbibel 1984 / Genesis 1,20-1,23) Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen auf Erden unter der Feste des Himmels. Und Gott schuf große Walfische und alles Getier, das da lebt und webt, davon das Wasser wimmelt, ein jedes nach seiner Art, und alle gefiederten Vögel, einen jeden nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich mehren auf Erden. Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag.

Hier wird eine gegenständlich-naive Fehlinterpretation in biologischer Hinsicht provoziert. Tatsächlich handelt es sich bei allem „Getier“ in der Heiligen Schrift immer um den homo sapiens, der in rein ökonomischer Hinsicht klassifiziert wird: Die „Vögel unter dem Himmel“ sind Einsiedler oder Wanderarbeiter, die nur wenig zur kulturellen Entwicklung beitragen, aber für den Erhalt des Kapitalismus nützlich sind, weil sie die Arbeitslöhne niedrig halten. Die „Fische im Wasser“ sind Menschen, die nicht arbeiten müssen, weil sie von ihren Geldersparnissen leben.

(Lutherbibel 1984 / Genesis 1,24-1,31) Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, ein jedes nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art. Und es geschah so. Und Gott machte die Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art und alles Gewürm des Erdbodens nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht. Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise. Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah so. Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.

Die „Tiere des Feldes“ sind angestellte Arbeiter ohne Eigenkapital (Zinsverlierer), während der „Mensch“ der Heiligen Schrift, der „freie Unternehmer“, mit eigenem Sachkapital wirtschaftet und in einer Zinsgeld-Ökonomie – durch die Übertragung des Urzinses auf das Sachkapital – wie der Investor (Zinsgeld-Verleiher) ein Zinsgewinner ist.

(Lutherbibel 1984 / Genesis 2,1-2,4a) So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte. So sind Himmel und Erde geworden, als sie geschaffen wurden.

Ausruhen, also auf Kosten der Mehrarbeit anderer existieren, kann ein „großer Investor“ solange, wie die produktive Arbeit die exponentiell steigende Zinslast des unproduktiven Finanzkapitals tragen kann. Dazu muss die ganze Volkswirtschaft um mindestens 5 Prozent pro Jahr exponentiell mitwachsen; wird das Wachstum kleiner (exponentielles Wachstum ist auf Dauer unmöglich), entsteht Massenarbeitslosigkeit; sobald die Zinswirtschaft anfängt zu schrumpfen, bricht sie komplett zusammen. Am Ende kommt es zum Zusammenbruch der ganzen Weltwirtschaft, zur globalen Liquiditätsfalle (Armageddon), die aktuell beginnt.

Der Prophet Jesus von Nazareth, der nach einem halben Jahrtausend in totaler geistiger Umnachtung sich nicht nur aus eigener Kraft aus der religiösen Verblendung, in die er hineingeboren wurde, befreien konnte und die wirkliche Bedeutung der Erbsünde erkannte (Auferstehung), sondern als erster Denker in der bekannten Geschichte auch die einzige Möglichkeit zu ihrer Überwindung (Erleuchtung) in genialen Gleichnissen beschrieb, kommentierte die „7-Tage-Schöpfung“ mit den folgenden Worten:

(Nag Hammadi Library / Thomas-Evangelium / Logion 39) Jesus sagte: Die Pharisäer und die Schriftgelehrten haben die Schlüssel der Erkenntnis empfangen; sie versteckten sie. Sie sind selbst nicht hineingegangen, und die hineingehen wollten, ließen sie (aber auch) nicht. Ihr aber, werdet klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.

Mit der Gründung der „heiligen katholischen Kirche“ im 4. Jahrhundert ging die geforderte Klugheit verloren, die Gnostiker (Wissende) wurden zu „Häretikern“ (Gotteslästerern) erklärt und ermordet, und die originale Heilige Schrift des Urchristentums (Gnosis = Wissen) wurde verbrannt. Der Katholizismus (stellvertretend für alles, was sich heute „christlich“ nennt) machte die „Bildzeitung der Antike“ (die vier biblischen Evangelien) zu seinem „neuen Testament“, und die Menschheit versank erneut in totaler geistiger Umnachtung, schlimmer als je zuvor. Die Priester des Katholizismus projizierten das von Jesus vorhergesagte „Königreich des Vaters“ (Natürliche Wirtschaftsordnung), in dem die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beendet ist, auf ein hypothetisches „Himmelreich“ der Toten und beließen die Menschheit für weitere 1600 Jahre in der systemischen Ungerechtigkeit der Erbsünde, nur um selbst eine sinnlose Moral verkaufen zu können. Der Katholizismus machte die Gesinnung des einzelnen Menschen für das verantwortlich, was allein die Erbsünde ursächlich bewirkt: Massenarmut und Krieg. 


Damit nicht genug, ließ die perfideste aller Religionen die Erbsünde als „dem Menschen angeboren“ erscheinen. Diese maximal menschenverachtende Geisteshaltung ließ das „Christentum“, welches mit der ursprünglichen Lehre des genialen Propheten Jesus von Nazareth nichts mehr gemein hat, zu einem aggressiven Raubtier werden, das sich bis heute die ganze Welt unterwarf. Die Religion wurde zum Wahnsinn ohne Methode (Cargo-Kult um die Heilige Schrift) und verhinderte bis heute eine gerechte Wirtschaftsordnung. Denn wer das Paradies (die Marktwirtschaft) für einen „Obstgarten“ hält und die „Frucht vom Baum der Erkenntnis“ (den Urzins) für einen Apfel, muss tatsächlich daran glauben, dass unverdiente Knappheitsgewinne (Zinsen und Renditen) auf Bäumen wachsen und nicht durch die Mehrarbeit anderer. Ohne die „Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion“, vor der sich Politiker und Zinsgewinner am meisten fürchten, bleibt der Kulturmensch unfähig, zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus zu unterscheiden – die Grundvoraussetzung des Denkens, sofern es das zivilisierte Zusammenleben im weitesten Sinne betrifft.

Ohne die originalen Heiligen Schriften, die erst 1945 in der Nähe der Ortschaft Nag Hammadi in Ägypten (wieder-)gefunden wurden, und die im Nachhinein betrachtet als der wertvollste archäologische Fund aller Zeiten anzusehen sind, hätte niemand mehr von der Erkenntnis des Jesus von Nazareth erfahren, die unvergleichlich bedeutsamer ist als der moralisierende Aberglaube des irrationalen Cargo-Kultes, in dem wir (noch) existieren:   


Stefan Wehmeier, 27. August 2011


Freitag, 12. August 2011

666 Tage

Götter sind durch Schöpfungsmythen - es geht um die Schöpfung von Kultur (Arbeitsteilung) und nicht um die "Schöpfung von Natur" - im kollektiv Unbewussten einprogrammierte, künstliche Archetypen zur Anpassung des arbeitenden Volkes an eine noch fehlerhafte Makroökonomie durch selektive geistige Blindheit.

Im Dezember 2008 wurde die "heilige katholische Kirche" darüber informiert, dass allein durch die schnellstmögliche Verwirklichung der echten Sozialen Marktwirtschaft (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus), die bereits 1916 in dem makroökonomischen Grundlagenwerk "Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld" von dem Sozialphilosophen Silvio Gesell vollständig und widerspruchsfrei beschrieben wurde, die "Finanzkrise" zu beenden ist, und dass es sich bei diesem eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation um nichts anderes handelt, als das von dem Propheten Jesus von Nazareth vorhergesagte "Königreich des Vaters":


Im Januar 2009 folgten die "7 Siegel der Apokalypse" (Enthüllung) mit dem Hinweis, dass bis zum 1. Januar 2010 etwa 10 Millionen Kinder aufgrund der systemischen Ungerechtigkeit der Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz (die in Genesis 3,1-24 beschriebene Erbsünde) verhungern würden, und dass allein die offizielle Ankündigung des "Himmels auf Erden" (Nachfrage äquivalent Angebot) hinreichend ist, um das Elend zu beenden:


Außer einer nichtssagenden Eingangsbestätigung des Vatikans erfolgte keine Reaktion:


Mittlerweile sind seit Februar 2009 über 27 Millionen Kinder verhungert, die Weltwirtschaft steht unmittelbar vor dem endgültigen Zusammenbruch (globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes, klassisch: Armageddon),…


…und bis zum Ende des Maya-Kalenders, der nicht, wie viele noch immer glauben, im Dezember 2012, sondern am 28. Oktober 2011 endet, verbleiben, vom 1. Januar 2010 an gerechnet, genau 666 Tage!

Wie diese auffällige Korrelation zwischen dem Kalender einer untergegangenen Kultur und der so genannten "jüdisch-christlichen Tradition", die zunächst nichts miteinander verbindet, zustande kam, wird möglicherweise noch viele unvoreingenommene Forscher beschäftigen:

(Einheitsübersetzung / Offenbarung 13,17-18) "Kaufen oder verkaufen konnte nur, wer das Kennzeichen trug: den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens. Hier braucht man Kenntnis. Wer Verstand hat, berechne den Zahlenwert des Tieres. Denn es ist die Zahl eines Menschennamens; seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig."

Was bis jetzt darüber gesagt werden kann, ist, dass makroökonomische Entwicklungen auf diesem Planeten nicht durch bewusste Entscheidungen herbeigeführt, sondern solange vom kollektiv Unbewussten gesteuert werden, wie es Religionen (Rückbindungen auf künstliche Archetypen) gibt, die noch nicht allgemein erklärt und damit wegerklärt sind. Für Politiker bedeutet das: Es handelt sich nicht um (bewusst) Handelnde, sondern um Getriebene. Die einzige bewusste Handlung, die ein Politiker (Machthaber) überhaupt ausführen kann, ist die Verwirklichung der Natürlichen Wirtschaftsordnung! Weil aber die hohe Politik sich damit wiederum selbst überflüssig macht, muss sie erst einmal vollkommen machtlos werden, um diese "bewusste und gewollte Tat" (Zitat: Silvio Gesell) überhaupt andenken zu können.

Die "Zahl des Tiers", die auch in musikalischer Form viele Anhänger gefunden hat,…


…ist also so zu deuten, dass seit dem 1. Januar 2010 nur noch die Sparpolitik regiert (Für alle, die noch nicht bis zum 5. Siegel vorgedrungen sind: Die "Schlange" im Paradies, bzw. der Teufel im Cargo-Kult des Katholizismus, ist ein vorantikes Symbol für die Sparsamkeit.), der genau 666 Tage verbleiben, bis die Weltwirtschaft soweit ruiniert ist, dass am 28. Oktober 2011 sogar die hohe Politik und vielleicht sogar die "heilige katholische Kirche" dazu bereit sind, mit dem Denken anzufangen.

Bis dahin kann man Politikern und Theologen ihre Dummheiten nur vergeben, denn sie wissen nicht, was sie tun. Und sobald sie es wissen, kann man sich nur wünschen, nicht in ihrer Haut zu stecken, denn keine Strafe könnte für sie schlimmer sein, als sich darüber bewusst zu werden, welche Verwüstungen sie mit ihren Dummheiten angerichtet haben.

Stefan Wehmeier, 12. August 2011