Mittwoch, 24. Oktober 2012

Geld



Geld – wie es (noch) ist und wie es sein soll

Das folgende Zitat stammt von einem Vertreter der so genannten "Österreichischen Schule der Nationalökonomie",…

"Geld ist und bleibt eine Herausforderung für die Wirtschaftswissenschaften. Anstatt dessen vitale Bedeutung für unsere Gesellschaft aufzuzeigen, wird Geld als Neutrum behandelt. Nicht Geld ist ein Desaster, sondern die Anschauungen darüber. Ich spanne in meinem Buch den Bogen von einfachen Grundvorgängen des Gebens und Nehmens, Ausgleichens und Nichtausgleichens (Schuldenmachen) bis zur heutigen Finanzkrise (als Überschuldungs-krise). Ich schlage eine neue Theoriearchitektur vor. Kernelemente sind der Tausch als kommunikativer Akt und Geld als dessen Verkörperung. Sie ermöglicht die Entwicklung einer Theorie von einer Bürgerordnung und kann der Bürgergesellschaft einen Ausweg aus der Krise weisen. Das Unverständnis gegenüber Geld gipfelt in der völlig unsinnigen Vorstellung, man könne oder solle Geld abschaffen. Es gibt keine Zivilisation ohne Geld. Allerdings muss diese auch gestaltet werden. Die Beschäftigung mit dem Geldbegriff wird so zum Schlüssel für eine neue Haltung, für ein neues Denken und für ein neues Handeln."

…dessen Namen nicht genannt werden muss. Es ist nur ein typisches Beispiel dafür, welche gedanklichen Irrwege von einem noch unbewussten Menschen beschritten werden, der das "Geld, wie es (noch) ist" als gegeben hinnimmt und das "Geld, wie es sein soll" gar nicht erst andenken kann und will, um sich selbst nicht "überflüssig" vorzukommen.

Wer es als "eine Herausforderung für die Wirtschaftswissenschaften" ansieht, weiterhin unsinnige Gedankengebäude auf der Grundlage eines a priori fehlerhaften Geldes mit Wertaufbewahrungs(un)funktion zu errichten, hat immerhin eine gewisse Ahnung von der Unverzichtbarkeit des Geldes für eine entwickelte Arbeitsteilung. Jedoch lässt sich kein einziges Zivilisationsproblem dadurch lösen, indem "die Anschauungen darüber" geändert werden, sondern das Geld selbst muss geändert werden – von einem Spekulationsmittel (Zinsgeld) zu einem reinen Tauschmittel (Freigeld).

Wer dagegen das Zinsgeld verteidigen will, das den Urzins erpresst und damit alle Probleme erst erzeugt, mit denen man sich als "Wirtschaftsexperte" dann beschäftigen kann, kommt auf den irrsinnigen Gedanken vom "Schuldenmachen", um Kreditnehmer psychologisch zu verunglimpfen. In der Realität können Schulden niemals "gemacht" werden, weder vom Staat noch von Banken oder Unternehmern. Denn jede Kreditaufnahme setzt voraus, dass zuvor ein anderer eine Ersparnis gebildet hat und bereit ist, diese zu verleihen. Erst dann entsteht ein Vermögen/Schulden-Paar – und erst dann ist das Gleichgewicht wiederhergestellt! Ein Ungleichgewicht in der Volkswirtschaft entsteht also nicht durch das "Schuldenmachen", das es als isolierten Vorgang gar nicht gibt, sondern dadurch, dass eine Geldersparnis gebildet und nicht verliehen wird. Dieses Ungleichgewicht ist die Möglichkeit zur Geldhortung, die den Warenaustausch blockiert, bis jemand bereit ist, den Urzins zu bezahlen. Damit wird der Urzins des herkömmlichen Geldes zur "Vorbedingung der Warenerzeugung überhaupt":

"Dem Gold verdanken wir die Arbeitsteilung und damit auch die Kulturgüter, denen wir uns erfreuen. Dem Gold aber verdanken wir auch wieder, dass von den geschaffenen Gütern der bei weitem größte Teil, und zwar das Beste, dem Schmarotzertum verfällt. Ist doch das Gold der Vater des Kapitalismus. Dank seinen körperlichen (Edelmetall) und seinen gesetzlichen Vorrechten (gesetzliches Zahlungsmittel) nimmt das Goldgeld eine Ausnahmestellung ein unter den Gütern, deren Austausch auf das Geld angewiesen ist. Das Goldgeld ist darum auch zum allgemeinen Sparmittel geworden, und der Sparer gibt es nicht wieder heraus, es sei denn, dass man ihm einen Zins verspricht. Früh oder spät verfällt aber alles Geld, das der Staat als Tauschmittel in Umlauf setzt, der Kasse irgendeines Sparers, sodass wiederum alles umlaufende Geld aus den Sparkassen kommt, also mit Zins belastet den Markt betritt, um seine Tätigkeit als Tauschmittel zu erfüllen. Diese Doppeltätigkeit des Geldes als Tauschmittel und als Sparmittel ist gegensätzlicher Natur und als Missbrauch des Tauschmittels zu betrachten. Dadurch, dass dem Güteraustausch nur verzinsliches Geld zur Verfügung steht, wird der Zins Vorbedingung der Warenerzeugung überhaupt.
…So kam mit dem Gold und der Arbeitsteilung zugleich der große Friedensstörer, der Zins, auf die Welt. Die Arbeitsteilung an sich verlangt keinen Zins. Wer sollte da auch Zins zahlen und weshalb? Die Arbeitsteilung hätte also den Menschen allgemeinen Wohlstand bringen sollen, da sie ja kein Vorrecht einzelner, sondern allen Menschen zugänglich ist. Aber aus den Händen des Goldes empfing die Menschheit diese Götterkraft nur unter der Bedingung des Zinses, und damit auch der Trennung der Menschen in arm und reich. Als ob neidische Götter der Menschheit den Machtzuwachs nicht gegönnt, die Unabhängigkeitserklärung der Menschen vom göttlichen Gängelband gefürchtet und dem dadurch vorgebeugt hätten, dass sie nach dem Grundsatz "teile und herrsche" den Zins als Spaltpilz in die Menschenfamilie eingepflanzt hätten!"

Silvio Gesell ("Ist der Bürger- und Völkerfrieden vereinbar mit der Goldwährung?", 1916)

Das heutige Papiergeld ist deshalb Zinsgeld (fehlerhaftes Geld mit parasitärer – der wesentlichen Tauschfunktion widersprechenden – Wertaufbewahrungsfunktion), weil es gänzlich unreflektiert dem Goldgeld der Antike nachgeäfft wurde! Und noch heute gibt es Äffchen, die – wie die Vertreter der "Österreichischen Schule" – den "Goldstandard" anbeten und sich von diesem Unsinn die Lösung aller Menschheitsprobleme versprechen. Gold kann in der Natur gefunden oder durch Neutronenbeschuss von Quecksilber künstlich erzeugt werden. Und nur weil das zweite Verfahren noch viel zu teuer ist, stellt sich der im Altertum verhaftete, unbewusste Mensch das Gold als ein "natürliches Geld" vor, dem er wegen seiner Seltenheit einen "besonderen Wert" beimisst. Die Abstraktion vom Gold über das Goldgeld bis zum Papiergeld kann der noch unbewusste Mensch nicht nachvollziehen.

Das bewusste Denken beginnt mit der Feststellung, dass in einer Volkswirtschaft die Waren das Angebot sind und das Geld die Nachfrage bildet. Der Gegenwert allen umlaufenden Geldes ist also immer der Wert aller gegenläufig umlaufenden Waren, die aktuell dagegen getauscht werden, und nicht "beliehene Sachwerte", eingelagerte Goldklötzchen oder sonst irgendetwas. Damit das Geld seine Aufgabe als Tauschmittel erfüllen kann, muss lediglich sichergestellt sein, dass es als "gesetzliches Zahlungsmittel" definiert, dass es fälschungssicher ist, und dass es umläuft. Allein die Art und Weise, wie die letzte Bedingung erfüllt werden kann, entscheidet über das Schicksal der ganzen Volkswirtschaft:

"Die Kaufkraft des Geldes nimmt ab, das Geld entwertet sich, die Waren werden teurer, die Preise steigen (Inflation), wenn die umlaufende Geldmenge im Verhältnis zur Warenmenge vergrößert wird, und wenn das Geld schneller umläuft. Umgekehrt: Die Kaufkraft des Geldes nimmt zu, das Geld wird "besser", die Waren werden billiger, die Preise fallen (Deflation), wenn die umlaufende Geldmenge im Verhältnis zur Warenmenge verkleinert wird, und wenn das Geld langsamer umläuft.
    Kann man aber durch Vermehrung oder Verminderung der umlaufenden Geldmenge die Kaufkraft des Geldes senken oder heben, so muss es auch möglich sein, durch planmäßige Verwaltung des Geldes seine Kaufkraft zu festigen, den Durchschnitt der Warenpreise (den Index) auf gleicher Höhe zu halten (Indexwährung), - vorausgesetzt, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes geregelt ist!
    Gerade an dieser zuletzt genannten Voraussetzung hapert es aber beim Dauergeld (Zinsgeld mit Wertaufbewahrungs(un)funktion). Nehmen wir an, das einzurichtende staatliche Währungsamt, dem die Aufrechterhaltung der Indexwährung obliegt, stellt fest, dass der Index Neigung hat zu steigen. Es wird daher Geld aus dem Verkehr ziehen und umgekehrt, wenn der Index Neigung zeigt zu sinken, wird es zusätzlich Geld in den Verkehr geben. Diese Maßnahmen werden solange wirksam sein, als das Lockmittel des Zinses hoch genug ist, um das Geld umlaufen zu lassen. Sinkt aber bei Vollbetrieb der Wirtschaft die Rentabilität, so wird das Geld immer zögernder investiert werden. Die Geldbesitzer können dieses Geld, das ja keinen Zins mehr bringt, ohne Schaden aus dem Verkehr ziehen, aufhäufen (auf Girokonten liquide halten), unregelmäßig auf den Markt werfen und dadurch die Festwährung stören, woran sie schon deshalb ein Interesse haben, weil sie der Konjunkturschwankungen zur Erlangung der Differenzgewinne (Spekulationsgewinne) bedürfen."

Otto Valentin (aus "Warum alle bisherige Politik versagen musste", 1949)

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Der Zusammenbruch einer Zinsgeld-Ökonomie (zivilisatorisches Mittelalter) erfolgt nach dem Schema: Liquiditätsfalle > Deflation > Hyperinflation. Weil die Zentralbank keinen Einfluss auf die Umlaufgeschwindigkeit (effektive Umlauffrequenz) des Zentralbankgeldes hat, kann sie immer nur Währungspfusch betreiben und durch Geldmengenausweitung die Liquiditätsfalle (kollektiver Rückzug der Ersparnisse aus der langfristigen Anlage) hinauszögern, auf Kosten einer Verkürzung der Zeitspanne von der einsetzenden Deflation bis zur anschließenden Hyperinflation, bei der alle auf Geld lautenden Forderungen vernichtet werden.

Damit das Geld unter allen Umständen sicher umläuft und die Zentralbank überhaupt die Möglichkeit hat, den Geldwert anhand eines repräsentativen Konsumgüter-Preisindex auf unbegrenzte Zeit absolut stabil zu halten, müssen die destruktiven Umlauf"sicherungen" Urzins und schleichende Inflation durch eine konstruktive Geldumlaufsicherung ersetzt werden. Dazu wird eine staatliche Liquiditätsgebühr von 8% pro Jahr (2% pro Quartal) auf alles Zentralbankgeld (Bargeld plus Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken) erhoben, damit der Warenaustausch nicht mehr blockiert werden kann, die Spekulation uninteressant wird, und die Investition (langfristige Geldanlage) für den Sparer auch dann noch interessant bleibt, wenn bei Sachkapitalsättigung der Kapitalzins um Null pendelt.  

"Der Zins ist ja sicher ein besonderer Reiz für den Sparer. Aber nötig ist dieser besondere Reiz nicht. Der Spartrieb ist auch ohne diesen Reiz stark genug. Übrigens, so kräftig der Zins als Sparreiz auch wirken mag, so ist er doch keinesfalls stärker als das Hindernis, das der Zins dem Sparer errichtet. Infolge der Zinslasten heißt sparen heute für die Volksmassen - entsagen, entbehren, hungern, frieren und nach Luft schnappen. Denn gerade durch den Zins, den der Arbeiter erst für andere aufbringen muß, wird der Arbeitsertrag so stark beschnitten, daß in der Regel der Arbeiter an Sparen überhaupt nicht denken kann. Ist also der Zins ein Sparreiz, so ist er in noch stärkerem Grade ein Sparhindernis. Der Zins beschränkt die Sparmöglichkeit auf ganz kleine Kreise, und die Sparfähigkeit auf die Wenigen aus diesen Kreisen, die den nötigen Entsagungsmut dazu haben. Sinkt der Zins auf Null, so steigt der Arbeitsertrag um den vollen Betrag der Zinslasten, und entsprechend erweitert sich die Sparmöglichkeit und Sparfähigkeit. Und es ist doch sicher leichter, von 200 Mark, als von 100 Mark 5 Mark zu sparen. Und wahrscheinlich wird derjenige, der durch die Zinsaussichten mitbestimmt wurde, bei 100 Mark sich und seinen Kindern 10 Mark am Munde abzusparen, bei 200 Mark ohne jenen Reiz, aus natürlichen Spartrieben, wenn auch nicht 110 Mark, so doch erheblich mehr als 10 Mark sparen."


Beim Studium des ganzen Kapitels – oder besser des ganzen Buches – klären sich auch alle anderen Denkfehler auf der Grundlage einer a priori fehlerhaften Geld- und Bodenordnung, die aus der Marktwirtschaft – von einem Krieg bis zum nächsten und dazwischen mit exponentiell steigender Tendenz – eine kapitalistische Marktwirtschaft macht.

In der vom Privatkapitalismus (Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz) befreiten Marktwirtschaft können verdiente Knappheitsgewinne aufgrund eigener, technologischer und kultureller Innovation (der eigentliche Antrieb unternehmerischen Handelns) nicht mehr durch unverdiente Knappheitsgewinne (Zinsen, Renditen, Spekulationsgewinne und private Bodenrenten) von Sparern, die sich für "große Investoren" halten, geschmälert werden, sodass die Natürliche Wirtschaftsordnung (Freiwirtschaft = echte Soziale Marktwirtschaft) nicht nur die gerechteste, sondern auch die innovativste Wirtschaftsform darstellt, in der sich der eigenverantwortliche und kreative Mensch frei entfalten kann.

Die Beseitigung des Urzinses beendet den quantitativen Wachstumszwang sowie den Verschuldungszwang und führt zu einem grundsätzlich geänderten Verhältnis von Kultur und Natur durch den Wegfall der Rentabilitätshürde: Innovative, mittelständische Unternehmen werden konkurrenzfähiger als Konzerne (diese zerfallen in kleinere, effektivere und selbständige Einheiten), regenerative Energien verdrängen auch ohne Subventionen die fossilen Energien, vollständiges Recycling wird wirtschaftlicher als Raubbau und Müllhalden, Individualität und Vielfalt ersetzen Vermassung und Eintönigkeit, und nicht zuletzt der Weltfrieden wird zur selbstverständlichen Realität.   

Klären wir abschließend die Frage: Was ist überflüssig und was ist der Sinn des Lebens? Wer über "diese Welt" (Zinsgeld-Ökonomie) nicht hinaus denken kann und sich nicht eingehend mit der Zukunft beschäftigt hat, könnte endlos darüber nachdenken, ohne eine Antwort zu finden. Glücklicherweise gab es jemanden, der weiter dachte als alle anderen:

"Ich glaube – und hoffe – auch, dass Politik und Wirtschaft in der Zukunft nicht mehr so wichtig sein werden wie in der Vergangenheit. Die Zeit wird kommen, wo die Mehrzahl unserer gegenwärtigen Kontroversen auf diesen Gebieten uns ebenso trivial oder bedeutungslos vorkommen werden wie die theologischen Debatten, an welche die besten Köpfe des Mittelalters ihre Kräfte verschwendeten. Politik und Wirtschaft befassen sich mit Macht und Wohlstand, und weder dem einen noch dem anderen sollte das Hauptinteresse oder gar das ausschließliche Interesse erwachsener, reifer Menschen gelten.
Die Schaffung von Reichtum ist durchaus nichts Verachtenswertes, aber auf lange Sicht gibt es für den Menschen nur zwei lohnende Beschäftigungen: die Suche nach Wissen und die Schaffung von Schönheit. Das steht außer Diskussion – streiten kann man sich höchstens darüber, was von beidem wichtiger ist."

Arthur C. Clarke (Profile der Zukunft)

Um den Kinderkram überflüssig und alles Sinnvolle nicht nur erstrebenswert, sondern auch für alle Menschen erreichbar zu machen, bedarf es "lediglich" der Überwindung der Religion, der Entwicklung des Menschen zum "Übermenschen" (nach Nietzsche):


Dass diese Entwicklung erst heute erfolgen kann, liegt nicht an mangelndem Wissen, das in den wesentlichen Grundzügen erstmals durch den Propheten Jesus von Nazareth erkannt und bereits vor der Geburt von Sir Arthur Charles Clarke von dem Sozialphilosophen Silvio Gesell explizit beschrieben wurde, sondern an der Unterdrückung des Wissens durch alle aktiven und passiven Erfüllungsgehilfen von Politik (Machtausübung) und Religion (Machterhalt). Aktive Erfüllungsgehilfen sind jene, die etwas "regeln" wollen, was nicht geregelt werden kann, solange es sich durch das vom Kapitalismus befreite Spiel der Marktkräfte nicht selbst regelt; und die passiven Erfüllungsgehilfen sind alle, die nicht selber denken wollen, sondern sich diesen tatsächlich sinnfreien Existenzen unterordnen.

Es lässt sich nicht entscheiden, wer dümmer ist – von einer religiös verdummten Masse gewählte "Spitzenpolitiker" und an Hochschulen indoktrinierte "Wirtschaftsexperten", die elementare Zusammenhänge nicht mehr verstehen und nicht mehr verstehen wollen,…


…oder der "moderne" Massenmensch (vom Vollproleten bis Günther Jauch), der sich von Vollidioten (altgr.: idiotes = Privatperson; jemand, der öffentliche und private Interessen nicht trennen kann und deshalb für ein öffentliches Amt ungeeignet ist) regieren lässt und andere Idioten für "Experten" hält, weil ihm irgendeine idiotische "Meinung" wichtiger erscheint als elementares Wissen.

Getreu dem Motto "wer nicht hören will, muss fühlen" wird somit der eigentliche Beginn der menschlichen Zivilisation allein durch das Verhältnis zweier kollektiver Ängste bestimmt. Die reale Angst vor der bevorstehenden Auslöschung unserer gesamten "modernen Zivilisation" durch die globale Liquiditätsfalle (Armageddon) muss insgesamt größer werden, als die seit Urzeiten eingebildete Angst vor dem "Verlust" der Religion:


Allein die tiefe Überzeugung, dass die Verwirklichung der Natürlichen Wirtschaftsordnung, des vom Propheten Jesus von Nazareth vorhergesagten "Königreich des Vaters", wahrscheinlicher ist als der Rückfall in die Steinzeit, ist der wahre Glaube an die Zukunft. Wer nicht daran glauben kann, hat sich von der Zukunft ausgeschlossen.


Stefan Wehmeier, 24.10.2012


Kommentare:

  1. ich hätte da einige fragen zum verständnis:

    - woher kommt die einschätzung über die höhe des "urzinses", unterhalb dessen, nicht mehr investiert, sondern spekuliert würde?

    - welcher anreiz bestünde für den einzelnen, über seinen akuten lebensberdarf hinaus wirtschaftlich tätig zu werden (bleiben), wenn die erwirtschafteten werte, nicht in irgendeiner form gespeichert werden können?

    - würden die einzelnen nicht danach trachten, werte statt in geld, in anderen dauerhaften gütern zu speichern (lebensmittel, rohstoffe, wasser etc.)? oder wäre das verboten?

    - wie soll man sich die verhinderung von oligopolen und kartellen denken, wenn der zusammenschluss zweier oder mehrer einzelner unternehmer nicht staatlich (also letztlich durch gewaltandrohung) verboten wird? glauben sie tatsächlich, dies könnte allein durch wettbewerb gelingen? wer würde in einen solchen wettbewerb einsteigen, wenn er durch anschluss an ein bestehendes kartell sich deutlich besser stellt?

    - und schließlich: wie sollte ein übergang vom jetzigen system zur freiwirtschaft erfolgen? müssten nicht zunächst sämtliche produktionsmittel enteignet und gerecht verteilt werden, um zumuindest für anfängliche chancengleichheit zu sorgen? und wer sollte diese enteigung durchführen? und wer sollte darüber bestimmen, wie genau eine "gerechte" anfangsverteilung aussähe? wie wollen sie beispielsweise wasser- und rohstoffzugang für alle gewährleisten? ohne staatliches gewaltmonopol?

    - wer würde in zukunft über die freigeldmenge bestimmen? sie müsste ja wohl gelegentlich angepasst werden, oder? stimmen dann alle bürger gemeinsam darüber ab? unabhängig von ihren natürlichen kognitiven fähigkeiten? wer verhindert die manipulation der wähler durch interessierte?

    - wenn sie Marx kritisieren: er hatte wenigstens eine theorie dazu, wie es zu den von ihm vorgefundenen ökonomischen verhältnissen kam. wie erklären sie sich dagegen die fehlentwicklungen, wenn die freiwirtschaft doch die "natürliche wirtschaftsordnung" ist. wieso wurde sie dann irgendwann ausgehebelt? und von wem? wer hatte die macht dazu? und wie gewährleisten sie, dass nicht auch in zukunft ein "mächtiger" sie wieder aushebelt.

    - oder hat die freiwirtschaft gar noch nie existiert? wieso sollte sie dann die "natürliche wirtschaftsordung" sein?

    diese fragen sind übrigens ernsthafter, nicht rhetorischer art. zwar halte ich das freiwirtschaftliche modell (derzeit) nicht für tauglich, bin aber weit davon entfernt, mir die argumente nicht vorurteilsfrei anzuhören.

    ich selbst bin allerdings der überzeugung, dass ein nachhaltiges system nicht auskommt, ohne einen bewusstseinswandel hin zu empathie und freiwilligkeit. ich kann mir kein "marktwirtschaftliches" modell vorstellen, das dies berücksichtigen würde, da es darin letztlich immer um "konkurrenz", "wettbewerb" etc. zu gunsten des einzelnen und auf kosten der allgemeinheit geht.

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  2. "Ich hätte da einige Fragen zum Verständnis"

    Antwort_121116

    "...zu Gunsten des einzelnen und auf Kosten der Allgemeinheit..."

    "Die Natürliche Wirtschaftsordnung fördert das Wohl der Gesamtheit, indem sie dem Wohl aller einzelnen dient. Daher nimmt sie dem Gegensatz zwischen Gemeinnutz und Eigennutz jenen zuspitzenden und unversöhnlichen Charakter, der nur durch die kapitalistische Entartung der liberalistischen Wirtschaft entstand. Sie beseitigt alle Monopole, ohne an ihre Stelle staatliche zu setzen, indem sie lediglich die beiden entscheidenden Monopole, nämlich das Geld- und Bodenmonopol der Kontrolle der Allgemeinheit unterstellt. Der Arbeiter braucht in dieser Wirtschaftsordnung zur Wahrung seiner Rechte weder die Hilfe des Staates noch den Schutz gewerkschaftlicher Organisationen, weil er als gleichberechtigter Vertragspartner ebenso wie der Arbeitgeber seine Bedingungen und Forderungen stellen kann. Denn die von Rodberus und Marx geschilderte Situation, die im Kapitalismus zu einem erpressten Vertragsabschluss mit Ausbeutung des Arbeiters nach dem "ehernen Lohngesetz" führt, erfährt einen grundsätzlichen Wandel, weil die Arbeit – wenn sie schon nach Marx als "Ware" aufgefasst wird – in einer monopolfreien Vollbetriebswirtschaft zur gesuchtesten und daher umworbensten Mangelware wird. Daher steigt ihr Preis bis zum überhaupt möglichen Höchstwert, nämlich bis zur Höhe des vollen Arbeitsertrages auf Kosten der Kapitalrente in allen ihren Formen wie Zins, Dividende und Spekulationsgewinn."

    Ernst Winkler (Theorie der Natürlichen Wirtschaftsordnung, 1952)

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