Freitag, 13. Januar 2012

2012

Weltuntergang oder Gelduntergang?

Die folgende Graphik zeigt die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland von 1951 bis 2011:



Auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass das relative Wirtschaftswachstum im Vergleich zum Vorjahr über den gesamten Zeitraum hinweg abfällt, von anfänglich bis zu 10% pro Jahr bis nur noch knapp über Null, als gegenwärtig zu erwarten in diesem Jahr. Diesem längerfristigen Abwärtstrend sind periodische Konjunkturschwankungen überlagert, die in den Jahren 1967 („Rezession“), 1975 („1. Ölkrise“), 1982 („2. Ölkrise“), 1994 („Rezession“), 2003 („Zusammenbruch New Economy“) und 2009 („Finanzkrise“) zu einer kurzfristigen Schrumpfung des BIP führten. Dynamisch betrachtet zeigt der längerfristige Abwärtstrend eine Abschwächung, während die periodischen Konjunkturschwankungen an Heftigkeit zunehmen: In den ersten Perioden blieb die Schrumpfung unter -1%; in der „Finanzkrise“ erreichte sie fast -5%.

Was ist 2012 zu erwarten? Dass es bei der Schätzung von "minus 0,1 Prozent bis plus 1,2 Prozent" nicht bleiben wird, sondern die Erwartungen in den nächsten Monaten nach unten korrigiert werden, ergibt sich bereits aus der obigen Graphik und den Erfahrungen zu Beginn des Jahres 2009. Die „Finanzkrise“ wurde in „Staatsschuldenkrise“ umbenannt; darüber hinaus hat die hohe Politik nichts unternommen, um die Krise zu beenden. Dass wir nicht schon längst in Chaos und Zerstörung versunken sind, ist allein den staatlichen „Konjunkturpaketen“ und deren kurzfristige Nachwirkungen zu verdanken, die aber inzwischen verpufft sind, ohne langfristig positive Wirkungen hinterlassen zu haben. Die einzige langfristige Auswirkung ist ein überproportionaler Anstieg der Staatsverschuldung, der von 2009 bis 2010 mit fast 23% in nur einem Jahr deutlich größer war, als in dem Fünfjahreszeitraum davor:




Tatsächlich konnte sich die deutsche Volkswirtschaft immer nur durch eine Erhöhung der Staatsverschuldung von einem Konjunkturzyklus zum nächsten hangeln! Das gilt nicht nur für die Bundesrepublik Deutschland, sondern für alle Volkswirtschaften seit dem 2. Weltkrieg. Über dieses als „deficit spending“ bezeichnete Prinzip, welches der „Jahrhundertökonom“ John Maynard Keynes 1935 in seiner „General Theory of Employment, Interest and Money“ („Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“, 1936) vorschlug, ist die hohe Politik des 21. Jahrhunderts noch nicht hinaus. Mit anderen Worten: Außer Schulden machen, haben „etablierte Politiker“ noch nicht viel gelernt!

Dabei wird geflissentlich übersehen, dass die Staatsverschuldung nur einen Teil der Gesamtverschuldung ausmacht, der auf der Kehrseite der Medaille Geldvermögen in mindestens spiegelbildlicher Höhe gegenüberstehen. Es ist prinzipiell unmöglich, die Verschuldung zu begrenzen und gleichzeitig die Vermögen anwachsen zu lassen: