Sonntag, 13. Oktober 2013

Glaube Aberglaube Unglaube



„Ich bin ein Gegner der Religion. Sie lehrt uns, damit zufrieden zu sein, dass wir die Welt nicht verstehen.“

Richard Dawkins (Der Gotteswahn)

„Euer Wille sage: der Übermensch sei der Sinn der Erde! Ich beschwöre euch, meine Brüder, bleibt der Erde treu und glaubt denen nicht, welche euch von überirdischen Hoffnungen reden! Giftmischer sind es, ob sie es wissen oder nicht.“

Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra.

Naturwissenschaftler lassen sich eher von der Religion beeinflussen als Philosophen. Das gilt zumindest für solche Philosophen, die in die richtige Richtung denken bzw. dachten. Ganz falsch ist nämlich die Annahme, Religion hätte irgendetwas mit Naturwissenschaft zu tun. Es sollte auch für den Laien offensichtlich sein, dass die Religion die kulturelle und eben nicht die biologische Evolution des Menschen beeinflusst hat. Aus diesem Grund hat sich der Evolutionsbiologe Dawkins mit seinem „Gotteswahn“ nur noch tiefer in die religiöse Verblendung geritten, während es dem Philosophen Nietzsche gelang, sich bereits ein Stück weit daraus zu befreien, indem er auf geniale Art und Weise einen fiktiven Propheten Zarathustra erschuf, der sich über Gott erhoben hatte.

Es ist ein faszinierender Gedanke, sich über Gott zu erheben; ein Gedanke, der einem kirchen- und staatsgläubigen Menschen (Untertan) gar nicht erst in den Sinn kommt; ein Gedanke, von dem aber auch der Science-Fiction-Autor und Futurologe Arthur C. Clarke inspiriert war, als er zusammen mit dem Regisseur Stanley Kubrick das Drehbuch zu „2001“ verfasste und damit die Überlegungen Nietzsches in die Moderne transferierte. Die im Film gezeigten Technologien wurden bis heute nicht verwirklicht – hätten aber verwirklicht werden können, wenn es ab 1968 gelungen wäre, die Religion zu überwinden!

„Mächtiger als Gott“ zu werden, bedeutet nicht, dass einige „Übermenschen“ über den Menschen herrschen. Das ist eine naive Phantasie von Untertanen, die sich in ihrer Machtlosigkeit nichts Besseres vorstellen können, als auch einmal in den zweifelhaften Genuss der Machtausübung über andere Menschen zu gelangen. Sich über Gott zu erheben bedeutet im Gegenteil, die Macht von Menschen über andere Menschen ganz zu beseitigen und damit dem Übermenschen (d. h., dem nun vollständig zivilisierten Menschen) eine ungeahnte Macht über Dinge zu verleihen; eine Macht, die es dem eigenverantwortlichen Kulturmenschen überhaupt erst ermöglicht, nicht nur im Zusammenleben, sondern auch mit der Natur eine vollkommene Harmonie zu erreichen.

Der gläubige Untertan, dessen Hauptsorge es ist, ein Untertan zu bleiben, wird sofort versuchen, dem zu widersprechen, weil er an eine „Moral“ glaubt, an einen Sieg des „Guten“ über das „Böse“. Doch was ist schon eine „Moral“ (unabhängig davon, ob manche sie „Ethik“ nennen) gegen das Prinzip Eigennutz = Gemeinnutz, die endgültige Lösung der Sozialen Frage? Die erstmalige Erkenntnis, wie eine ideale Zivilgesellschaft, in der es automatisch das Beste für alle bedeutet, wenn der Einzelne nur das Beste für sich anstrebt, technisch zu verwirklichen ist – und nichts anderes -, machte den Propheten Jesus von Nazareth zur berühmtesten Persönlichkeit der Welt, auf der bis heute die planetare Zeitrechnung basiert:

(NHC III,5) Der Herr sagte: "Ihr habt alle Dinge verstanden, die ich euch gesagt habe, und ihr habt sie im Glauben angenommen. Wenn ihr sie erkannt habt, dann sind sie die Eurigen. Wenn nicht, dann sind sie nicht die Eurigen."

Wir sollen Jesus also nicht anbeten, sondern ihn – bzw. seine Erkenntnis – verstehen: Wahre Nächstenliebe ist nicht irgendeine „Moral“, sondern das Prinzip Eigennutz = Gemeinnutz! Und „der Herr“ war Jesus für die Urchristen (Gnostiker = Wissende) nicht, weil er etwa aufgrund einer „höheren göttlichen Moral“ Macht über sie hatte (die Macht hatten Geisteszwerge, die sich „Römische Kaiser“ nannten), sondern weil er über ein einzigartiges Wissen verfügte, das einige Wenige in Ansätzen, aber noch niemand ganz verstehen konnte. Für Moralverkäufer ist wahre Nächstenliebe aber eine Horrorvorstellung, denn dann wird die „Moral“ so überflüssig wie eine Taschenlampe (damals noch eine Kerze) bei Sonnenschein. Also hatte die „heilige katholische Kirche“, die sich die „Bildzeitung der Antike“ (die vier biblischen Evangelien) zu ihrem „Neuen Testament“ erkoren und Jesus zum „Gottessohn“ gestempelt hatte, nachdem sie im Jahr 325 zur römischen Staatsreligion geworden war, erst einmal nichts anderes im Sinn, als die originale Heilige Schrift des Urchristentums (Gnosis = Wissen) zu verbrennen und alle Gelehrten, die die Schriften gelesen hatten, zu ermorden. Die römische Armee unterhielt eine Spezialeinheit, um diese „Häresie“ (Gotteslästerung) auszumerzen. Etwas in dieser Art kommt immer dabei heraus, wenn in den naiven Kategorien „gut“ und „böse“ gedacht, bzw. zu denken versucht wird.

Jesus von Nazareth war jener Prophet, der sich als erster Denker über Gott erheben konnte, und den der Philosoph Friedrich Nietzsche in seinem Epos „Also sprach Zarathustra“ erst wieder neu erfinden musste, weil die „Bildzeitung der Antike“ (die Bildzeitung möge mir verzeihen) nur noch Unsinn über ihn verbreitet. Das Genie, wenn auch zum „Gottessohn“ erhoben, wurde von der Kirche zu einem moralisierenden Wanderprediger degradiert. Denn die Kirchenväter suchten sich zielsicher jene Schriften heraus, die sich am besten zum Moralverkauf eigneten, und erklärten alles andere für „Häresie“. Der Katholizismus ist darum nichts weiter als ein Cargo-Kult, wobei es sich beim „Cargo“ noch nicht einmal um eine originale Heilige Schrift, sondern eben um die „Bildzeitung der Antike“ handelt, die nur noch gegenständlich-naive Fehlinterpretationen der originalen Gleichnisse sowie abstruse Dichtungen enthält. Alle, die sich heute „Christen“ nennen, leben in diesem Cargo-Kult – und haben somit kein Recht, sich über irgendwelche Buschmänner lustig zu machen, die eine aus einem Flugzeug gefallene Coca-Cola-Flasche für ein „Zeichen der Götter“ halten.

Die Erkenntnis des Jesus von Nazareth wäre für immer verloren gewesen, wären nicht durch einen glücklichen Zufall im Jahr 1945 die „Heiligen Schriften von Nag Hammadi“ (wieder)-gefunden worden, die im Nachhinein betrachtet darum als wertvollster archäologischer Fund aller Zeiten anzusehen sind, und in denen im Kodex III auch das obige Zitat im so genannten „Dialog des Erlösers“ zu finden ist. Wie das Prinzip Eigennutz = Gemeinnutz zu verwirklichen ist, findet sich im Kodex II in den 114 Logien des Thomas-Evangeliums, welches als einziges Evangelium – zu Recht – von sich behauptet, die authentischen Worte des berühmten Propheten zu beinhalten: „Dies sind die geheimen Worte, die der lebendige Jesus sagte; Didymos Judas Thomas hat sie aufgeschrieben.“ Dennoch hat es bis 2007 gedauert, die Logien (logische Gleichnisse) zu entschlüsseln. Das ist damit zu erklären, dass alle, die sich bis dahin „wissenschaftlich“ damit befasst hatten, voreingenommen waren, d. h., sie haben Jesus für einen moralisierenden Wanderprediger gehalten, sodass sie mit den Gleichnissen nichts anfangen konnten. Die echte Lösung der Sozialen Frage war diesen „Wissenschaftlern“ gänzlich unbekannt. Schlimmstenfalls wurde von einigen versucht, aus Jesus eine Art „Che Guevara der Antike“ zu machen. Ein „guter Kommunist“ darf aber nicht eigennützig sein und hat sich nur um das Gemeinwohl zu kümmern, was natürlich nicht funktioniert. Eine zentralistische Planwirtschaft (das vorantike Ägypten der Pharaonen war eine solche) ist das Gegenteil von Zivilisation und in Wahrheit nichts anderes als Staatskapitalismus, die schlimmste Form der Ausbeutung und das Ende jeder persönlichen Freiheit. Schon zu Lebzeiten des Jesus von Nazareth galt für die Israeliten die Kultur des vorantiken Ägypten als seit über einem Jahrtausend veraltet. Der Unsinn des Marxismus (es soll sogar heute noch welche geben, die an den „Arbeiter- und Bauernstaat“ glauben) ist also nichts weiter als eine „Rückkehr nach Ägypten“. Wir wollen aber in die andere Richtung!

Was im absoluten Gegensatz zu einer zentralistischen Planwirtschaft eine wahre Zivilisation sein soll, findet sich im ersten Buch Mose ab Genesis_2,4b als „Paradies“, und die Ursache, warum die wahre Zivilisation bis heute nicht verwirklicht werden konnte, unter Genesis_3 als „Erbsünde“ mit genialen archetypischen Bildern und Metaphern exakt umschrieben. Der vom Mythos implizit beschriebene Gott Jahwe ist ein seit über drei Jahrtausenden im kollektiv Unbewussten der ganzen halbwegs zivilisierten Menschheit einprogrammierter, künstlicher Archetyp. Dieser macht es allen, die den Schöpfungsmythos zwar gehört oder gelesen, aber ihn nicht verstanden haben, praktisch unmöglich, über „diese Welt“ hinauszudenken. Im „Programm Genesis“, dem Betriebssystem der halbwegs zivilisierten Menschheit, hat der darum noch unbewusste Kulturmensch nur zwei Möglichkeiten: Er kann auf Kosten anderer existieren, oder andere werden auf seine Kosten existieren! Eine dritte Möglichkeit – die eigentliche Definition von Leben – ist im Programm nicht vorgesehen.

Wer die wirkliche Bedeutung der Erbsünde erkennt, die dem Kulturmenschen bis heute das wahre Leben in der wahren Zivilisation verwehrt, ohne bereits zu wissen, wie diese „Mutter aller Zivilisationsprobleme“ zu überwinden ist (zur Zeit des „Auszugs der Israeliten aus Ägypten“ stand dieses Wissen noch nicht zur Verfügung), muss buchstäblich „vom Glauben abfallen“ und kann mit „dieser Welt“ nichts mehr anfangen! Das – und nichts anderes – ist der eigentliche Zweck der Religion, der Rückbindung auf den künstlichen Archetyp Jahwe: das Ausblenden der Erbsünde aus dem Begriffsvermögen des arbeitenden Volkes, damit das, was wir heute „moderne Zivilisation“ nennen, überhaupt entstehen konnte. Daher die Bezeichnung „Schöpfungsmythos“. Allerdings geht es nicht um eine „Schöpfung von Natur“ (das soll der Verblendete glauben, damit er die Erbsünde nicht erkennt), sondern um die Schöpfung von Kultur bzw. Zivilisation als Folge halbwegs entwickelter Arbeitsteilung. Denn kein vernünftiger – nicht religiös verblendeter – Mensch will in einer a priori ungerechten Welt leben, von der er weiß, dass ein nachhaltiges Wirtschaften unmöglich und der nächste Krieg systemnotwendigerweise unvermeidlich ist. Daher die naiven Vorstellungen von „gut“ und „böse“, damit der unbewusste Kulturmensch die zwangsläufigen Auswirkungen der Erbsünde (Massenarmut und Krieg sowie alle anderen Zivilisationsprobleme, die sich überhaupt thematisieren lassen) als vermeintliche Auswirkungen einer „Sündhaftigkeit des Menschen“ interpretiert, die durch eine „Moral“ zu verbessern sein müsste. 

Die Rückbindung auf den künstlichen Archetyp Jahwe nennt sich: „der geistige Tod“. Unabhängig von „Glaube“ (Cargo-Kult) oder „Unglaube“ (Ignoranz), sind also alle als geistig Tote (d. h. solche, die in einem Meer von Vorurteilen versunken sind und darum nicht mehr klar denken können) zu bezeichnen, die den elementaren Erkenntnisprozess der „Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion“ noch nicht durchlaufen haben. Die Verwirklichung des Prinzips Eigennutz = Gemeinnutz ist wiederum das, was die Menschheit von der systemischen Ungerechtigkeit der Erbsünde befreit!

Der wahre Glaube (d. h. der Glaube an die Erkenntnis des Jesus von Nazareth) ist also die Hoffnung, diesen Glauben eines Jüngsten Tages durch Wissen ersetzen zu können; der Aberglaube ist die Überheblichkeit, es „besser“ wissen zu wollen; und der Unglaube ist die Dummheit, nicht an die Erbsünde zu glauben, bevor sie überwunden ist.

Allen, die noch nicht wissen, was die Erbsünde ist, mögen die obigen Ausführungen sehr philosophisch erscheinen, um nicht zu sagen: „völlig von der Realität abgehoben.“ Tatsächlich steht aber der Menschheit das konkrete Wissen, wie das Prinzip Eigennutz = Gemeinnutz zu verwirklichen und damit die uralte Soziale Frage zu lösen ist, schon seit über einem Jahrhundert zur Verfügung, und zwar ganz unabhängig von der Heiligen Schrift. Beide Weltkriege hätten nicht stattfinden müssen! Allerdings wurde dieses Wissen bis heute von der Religion unterdrückt, sodass es immer nur von ganz Wenigen verstanden wurde und nie in die breite Öffentlichkeit gelangte, bzw. von dieser akzeptiert wurde, obwohl es „ja doch nur aus einer Reihe banalster Selbstverständlichkeiten besteht“ – zumindest für ein Genie, das sich nicht zuerst über Gott erheben musste, um durch klares Denken zu erkennen, was absolute Gerechtigkeit ist. Aber es wäre wohl eine groteske Vorstellung, schon seit einem Jahrhundert in allgemeinem Wohlstand auf kaum noch vorstellbarem technologischem Niveau in einer sauberen Umwelt und selbstverständlichem Weltfrieden zu leben und erst heute die Feststellung zu machen: Hoppla, wir leben ja schon im „Himmel auf Erden“!

So verwundert es auch nicht, dass in einer Kritik im „Evangelischen Film-Beobachter“ 1968 die folgende dumme Bemerkung über das Meisterwerk „2001“ zu lesen war: „Beeinträchtigt wird sie („Stanley Kubricks Raumfahrtschau“) dadurch, daß die Autoren ihre Ideen nicht nur der Technik widmeten, sondern auch verworrener Anthropologie und Symbolik. Etwas zu langatmig, aber für Freunde des Genres sehenswert.“

Das ganze Ausmaß der Verworrenheit derer, denen der „liebe Gott“ ihren Restverstand völlig vernebelt hat, wird mit der Überwindung der Religion ersichtlich: Jüngstes Gericht


Stefan Wehmeier, 13.10.2013


Kommentare:

  1. Intelligente Fragen werden hier korrekt und erschöpfend beantwortet; dumme Vorurteile werden berichtigt; und besonders dumme Vorurteile, die zudem eine gewisse Arroganz des Verfassers erkennen lassen, werden gelöscht, sofern ihre umfassende Berichtigung für andere Leser keinen Lerneffekt mehr hat und der Vorurteilsbehaftete ohnehin nichts wissen will.

    Die folgende pdf-Datei enthält die ursprünglich auf vier Kommentare aufgeteilten, besonders dummen Vorurteile eines gewissen Kurt Spornberger, der sich auch in der Disziplin Arroganz besonders hervorgetan hat. Dennoch habe ich den Herrn Spornberger meinerseits kommentiert, als lehrreiches Beispiel dafür, welche Angst ein maximal vorurteilsbehafteter bzw. religiös verblendeter „Normalbürger“, der sich selbst für einen „Atheisten“ hält, vor dem Erkenntnisprozess der Auferstehung hat, und mit welchen irrationalen Ausflüchten er versucht, sich vor der Auferstehung aus der religiösen Verblendung zu drücken, um vorerst ein „Normalbürger“ bleiben zu dürfen:

    Spornberger_131022

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    1. "Intelligente Fragen werden hier korrekt und erschöpfend beantwortet; dumme Vorurteile werden berichtigt..."
      In den vergangenen 3 Tagen habe ich mich etwas eingehender mit Ihrem Ansatz befasst. Ich schäme ich nicht einzuräumen, dass ich als Nicht-Akademiker dabei an zwei Grenzen stoße: zum einen mangelt es mir an Wissensgrundlagen, das lässt sich dankenswerterweise beheben.
      Unangenehmer ist, dass ich auch an verstandesmäßige Grenzen angesichts der Komplexität des 'großen Ganzen' stoße, wo alles mit allem interagiert. Dieses Defizit lässt sich nur schwer beheben.

      Nun wäre es ein 'besonders dummes Vorurteil', würde ich von meinem auf den Intellekt der Bevölkerungsmehrheit schließen. Wenn ich mir Angebot und Nachfrage der Massenmedien anschaue, sehe ich immerhin keinen Anlass zu glauben, dass das Reflexionsvermögen (und die -bereitschaft) der Masse sich im letzten Jahrzehnt in wünschenswerter Weise entwickelt hat.

      Wie sollte Ihrer Ansicht nach 'mit der Masse verfahren werden', die immerhin der Souverän dieses Staates ist? Ich denke einerseits an bildungspolitische Korrekturen, desweiteren an 'echte' Expertengremien zur Steuerung ökonomischer Rahmenbedingungen.
      Dennoch wird man m.E. die 'verblendete Masse mitnehmen müssen' - sehen Sie eine Chance, ihr die Angst vor dem Erkenntnisprozess zu nehmen bzw. zunächst die hierfür erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen? Falls ja, über welchen Zeitraum? Es ist zu bezweifeln, dass mehrere Jahrzehnte verbleiben, um den globalen Zusammenbruch der Wirtschafts- und Finanzkreisläufe abzuwenden..

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    2. "In den vergangenen 3 Tagen habe ich mich etwas eingehender mit Ihrem Ansatz befasst."

      Sie sollten mindestens 3 Monate veranschlagen, weil der "Ansatz" alles andere, sofern es sich im weitesten Sinne mit dem menschlichen Zusammenleben befasst, nicht nur ansatzweise, sondern bei genauerer Betrachtung komplett überflüssig macht bzw. als Vorurteile und Denkfehler entlarvt.

      "…ich als Nicht-Akademiker…"

      Das ist eher von Vorteil, weil ein Akademiker, sofern er sich ebenfalls mit dem menschlichen Zusammenleben im weitesten Sinne zu befassen glaubt (Politologe, Soziologe, Theologe, Philosoph, Wirtschafts"wissenschaftler", etc.), noch mehr Vorurteile als der "Normalbürger" zu überwinden hat, bevor er mit dem selbständigen Denken überhaupt anfangen kann.

      "…Angebot und Nachfrage der Massenmedien…"

      …richtet sich nach dem, was die Masse hören will. Ein Massenmedium, das die typischen Vorurteile der Masse nicht bedient (naives "gut und böse" -Schema, "Gemeinnutz geht vor Eigennutz", "Bescheidenheit ist eine Tugend", etc.), verliert das Publikum.

      "…der Souverän dieses Staates…"

      …ist (noch) der künstliche Archetyp Jahwe, der alle unbewussten Kulturmenschen aus ihrem Unterbewusstsein heraus danach streben lässt, auf Kosten anderer zu existieren, damit andere nicht auf ihre Kosten existieren.

      "Ich denke einerseits an bildungspolitische Korrekturen, des Weiteren an 'echte' Expertengremien zur Steuerung ökonomischer Rahmenbedingungen."

      Das – z. B. ein echtes Gesundheitswesen und eine sinnvolle Steuergesetzgebung – wird erst NACH der gesetzlich verbindlichen Ankündigung einer freiwirtschaftlichen Geld- und Bodenreform möglich.

      "…die Angst vor dem Erkenntnisprozess zu nehmen…"

      Die Angst vor dem Erkenntnisprozess der Auferstehung kann der Masse nicht genommen werden, sondern die reale Angst vor dem bevorstehenden Zusammenbruch der gesamten Arbeitsteilung (globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes, klassisch: Armageddon) muss insgesamt größer werden, als die seit Jahrtausenden eingebildete Angst vor dem "Verlust" der Religion. Zu diesem Zeitpunkt ist es hinreichend, dass die Masse nur das eine begreift: Das Geld läuft nicht mehr um – also brauchen wir eine konstruktive Geldumlaufsicherung!

      "Es ist zu bezweifeln, dass mehrere Jahrzehnte verbleiben…"

      Nein; es ist stark zu bezweifeln, dass mehrere Jahre verbleiben. Denn wir befinden uns am Ende des absolut letzten kapitalistischen Konjunkturzyklus. Ein weiterer kapitalistischer Konjunkturzyklus ist ausgeschlossen, weil dazu das Restvertrauen in die "hohe Politik" bzw. die Bonität der Staatsanleihen nicht mehr ausreicht.

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