Freitag, 21. April 2017

Menschwerdung


"Hätte die Weltgeschichte ein Sachregister, wie sie ein Namensregister hat, könnte man sie besser benutzen."
 
Ludwig Börne (Theaterkritiker, 1786-1837)
 
Die ganze Welt ist ein Theater, denn die Arbeitsteilung erhob den Menschen über den Tierzustand und solange die makroökonomische Grundordnung, die den Grad der Zivilisiertheit bestimmt, noch unterentwickelt ist, muss der Kulturmensch, damit er sich "halbwegs glücklich" vorkommt, für die jeweilige Kulturstufe entsprechend programmiert sein. Für diese ganze Geschichte der Hinterhältigkeit, Verlogenheit und Selbstsucht der jeweils Herrschenden und deren Untertanen ein passendes und plausibles Sachregister zu erstellen, ist im Nachhinein nicht leicht, aber sowohl für die Vergangenheit als auch für die Zukunft in den Grundzügen dennoch möglich:
 

Die noch immer gegenwärtige und aus heutiger Sicht in höchstem Maße rückständige Kulturstufe der halbwegs zivilisierten Menschheit hat ihren Ursprung an dieser Stelle: 

(Genesis_2,4-9) Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte. Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; aber ein Nebel stieg auf von der Erde und feuchtete alles Land. Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. 

Der Text ist etwa 3250 Jahre alt, wenn wir davon ausgehen, dass er von Mose verfasst wurde und dieser Revolutionär zur Zeit der Regentschaft von Pharao Ramses II lebte. Selbstverständlich ist der Inhalt des Mythos nicht gegenständlich, sondern funktional zu verstehen, und solange er nicht verstanden wird, bewirkt er unabhängig von "Glaube" (Cargo-Kult) oder "Unglaube" (Ignoranz) eine spezifische Programmierung des Unterbewusstseins, bzw. des kollektiv Unbewussten der ganzen halbwegs zivilisierten Menschheit bis auf den heutigen Tag. 

Heute programmieren wir mechatronische Roboter; in früheren Zeiten benutzte man biologische Roboter (sie nennen sich selbst Homo sapiens), um sie sich untertan zu machen. Im vorantiken Ägypten, einer zentralistischen Planwirtschaft noch ohne liquides Geld (Ursozialismus), war das eine hochentwickelte Geheimwissenschaft, die nur vom Pharao selbst und einem inneren Kreis der höchsten Priester, die zugleich Politiker waren, verstanden wurde. Der Zusammenhalt des ganzen Ägyptischen Reiches basierte im Wesentlichen auf dieser Geheimwissenschaft, und das Reich wäre zerfallen, wären die Geheimnisse verraten worden. Das "Programm Genesis" war allerdings aus der Perspektive des vorantiken Ägypten in höchstem Maße subversiv und bewirkte zur damaligen Zeit eine grandiose Befreiung. Es führte zum "Auszug der Israeliten aus Ägypten", der "Weiterentwicklung der menschlichen Kultur vom Ursozialismus zur Marktwirtschaft": 

Gott der HERR (Jahwe) = künstlicher Archetyp "Investor" 
Erde und Himmel = Angebot (Waren) und Nachfrage (Geld) 
Regen / Feuchtigkeit = Geldemission / Liquidität 
Lebendiger Mensch = selbständiger Unternehmer 
Garten Eden (Paradies) = freie (d. h. monopolfreie) Marktwirtschaft 
Früchte tragende Bäume = Gewinn bringende Unternehmungen 
Baum des Lebens (ez pri ose pri: "Baum, der Frucht ist und Frucht macht") = Geldkreislauf 
Baum der Erkenntnis (ez ose pri: "Baum, der Frucht macht") = Geldverleih 

Der heute "zweite" Schöpfungsmythos der Genesis ist die erste Idee zur freien Marktwirtschaft und damit alles andere als ein historisches Märchen, sondern ganz im Gegenteil die visionärste Form von Science Fiction (oder besser: Social Fiction), die zur damaligen Zeit überhaupt vorstellbar war. Diese visionäre Idee wurde im kollektiv Unbewussten des israelitischen Volkes einprogrammiert, denn es sollten noch mehr als zwölf Jahrhunderte vergehen, bis der Prophet Jesus von Nazareth als erster Denker in der bekannten Geschichte die einzige Lösung fand, wie die Marktwirtschaft (Paradies) vom parasitären Gegenprinzip des Privatkapitalismus (Erbsünde) zu befreien ist,...
 
...und bis dahin musste diese in Genesis_3 umschriebene "Mutter aller Zivilisationsprobleme" aus dem Begriffsvermögen des arbeitenden Volkes ausgeblendet werden! Anderenfalls wäre das systemisch ungerechte Übergangsstadium der kapitalistischen Marktwirtschaft (zivilisatorisches Mittelalter, Zinsgeld-Ökonomie) gar nicht erst entstanden oder schon nach kurzer Zeit wieder zerfallen, so wie das vorantike Ägypten (Ursozialismus, bzw. Staatskapitalismus) zerfallen wäre, ohne die entsprechende Programmierung des in der zentralistischen Planwirtschaft arbeitenden Volkes. Die religiöse Verblendung (geistige Beschneidung von Untertanen) funktioniert in der Weise, dass alle elementar relevanten makroökonomischen Zusammenhänge, die der Mythos in bildhafter und somit das kollektiv Unbewusste beeinflussender Art umschreibt,...
 
(Genesis_3,1-5) Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten? Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet! Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.
 
...von denen, die den Mythos hören oder lesen und dabei an irgendeinen gegenständlich-naiv hineininterpretierten Schwachsinn glauben, nicht mehr verstanden werden:
 
Frucht vom Baum der Erkenntnis = Urzins (S. Gesell) / Liquiditätsprämie (J. M. Keynes) 
Mann / Adam = Sachkapital / der mit eigenem Sachkapital arbeitende Kulturmensch 
Frau / Eva = Finanzkapital / der in neues Sachkapital investierende Kulturmensch 
Tiere auf dem Feld = angestellte Arbeiter ohne eigenes Kapital (Zinsverlierer) 
Schlange = Sparsamkeit (die Schlange erspart sich Arme und Beine) 
Tod = geistiger Tod durch religiöse Verblendung 
gut oder böse = egoistisch und gebildet oder selbstsüchtig und eingebildet
 
Für religiös Verblendete sind Selbstsucht und Einbildung nicht von gesundem Egoismus und wahrer Bildung zu unterscheiden, und der eigene geistige Tod ist für sie nicht erkennbar:
 
(Genesis_3,6-13) Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß. Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN unter den Bäumen im Garten. Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich. Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du nicht gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen? Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß. Da sprach Gott der HERR zur Frau: Warum hast du das getan? Die Frau sprach: Die Schlange betrog mich, sodass ich aß.
 
Erbsünde = Privatkapitalismus (Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz) 
"die Frau gab ihrem Mann von der Frucht" = Übertragung des Urzinses auf das Sachkapital 
"nackt" sein = mit eigener Arbeit Geld verdienen 
"bekleidet" sein = als Investor von der Arbeit anderer Zins erpressen (lat.: vestis = Kleidung) 
"als der Tag kühl geworden war" = Abkühlung der Konjunktur (beginnende Liquiditätsfalle) 
"unter den Bäumen im Garten verstecken" = so tun, als wäre der Zins Lohn für eigene Leistung 
"die Frau, die du mir zugesellt hast" = Abhängigkeit von zinsträchtiger Ersparnis
 
Die Erbsünde selbst und das verlogene Verhalten der Zinsgewinner sind bei der Verwendung von Zinsgeld (fehlerhaftes Geld mit parasitärer, der wesentlichen Tauschfunktion widersprechenden Wertaufbewahrungsfunktion) unvermeidlich. Die Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz darf darum dem arbeitenden Volk als systemische Ungerechtigkeit nicht bewusst werden, damit es "halbwegs glücklich" die tatsächlich menschenunwürdigen Verhältnisse erträgt, solange das Wissen noch nicht zur Verfügung steht, den Privatkapitalismus zu beenden. Ebenso unvermeidlich, solange die Marktwirtschaft kapitalistisch bleibt, sind allgemeine Wirtschaftskrisen. Genesis_3,15 umschreibt mit genialen Metaphern erstmals das Phänomen der Liquiditätsfalle,...
 
Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.
 
Nachkommen der Schlange / der Frau = Geldersparnisse / neue Sachkapitalien
Kopf der Schlange = Kapitalmarktzins (Sachkapitalrendite)
 
...das von studierten "Wirtschaftsexperten" (von "Spitzenpolitikern" ganz zu schweigen) bis heute nicht verstanden wird, ebenso wie der Zusammenhang zwischen Wirtschaftskrise und Krieg:
 
(Genesis_3,16) Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein.
 
In der Liquiditätsfalle sinkt der Kapitalmarktzins unter die Liquiditätspräferenzgrenze, sodass aus dem Finanzkapital nur noch in Ausnahmefällen neue rentable Sachkapitalien gebildet werden können. Dennoch sucht das Finanzkapital ständig nach neuen Anlagemöglichkeiten, denn sobald es keine mehr findet, gerät die Volkswirtschaft in eine Deflation und bricht zusammen. Auch wenn ohne Finanzkapital kein Sachkapital entstehen kann, werden die ganze Wertschöpfung und der Urzins aus dem Sachkapital heraus erarbeitet.
 
(Genesis_3,17-19) Und zum Mann sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen -, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.
 
Die Rentabilitätshürde des Urzinses lässt auch bei kurz- bis mittelfristig florierender Wirtschaft einen strukturellen Sachkapitalmangel bestehen, sodass nicht nur in Krisenzeiten sich der Mensch im Privatkapitalismus nur mühsam von eigener Arbeit ernähren kann. Der Arbeiter erhält nicht den vollen Arbeitsertrag, weil er zusätzlich das leistungslose Einkommen der Zinsgewinner erarbeiten muss, und Wohlstand für alle bleibt prinzipiell unerreichbar.
 
(Genesis_3,22-24) Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, dass er nur nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich! Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von der er genommen war. Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens.
 
"unsereiner" = die nichts anderes zu tun haben, als sich an der Mehrarbeit anderer zu bereichern 
Vertreibung aus dem Paradies = Verlust der Unterscheidungsfähigkeit zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus 
Cherubim = Denkblockaden
 
Die israelitische Priesterschaft bewahrte das dem Volk vorenthaltene Geheimnis der Erbsünde bis zum 6. vorchristlichen Jahrhundert und beging dann eine Verzweiflungstat, indem sie den heute "ersten" Schöpfungsmythos (7-Tage-Schöpfung) der Genesis vor den ursprünglichen "zweiten" (Paradiesgeschichte) setzte. Das modifizierte "Programm Genesis" sollte mit einiger Sicherheit einen Rückfall in die Primitivität des Ursozialismus verhindern, solange die einzige Lösung zur Überwindung der Erbsünde (Erlösung) noch nicht in Aussicht stand. Dazu musste man sich mit der Erbsünde arrangieren, was dazu führte, dass auch die israelitischen Hohepriester in der religiösen Verblendung versanken, die ihre Vorgänger geschaffen hatten:
 
Damit hatte die halbwegs zivilisierte Menschheit komplett das Bewusstsein verloren, sodass der Erlöser, als er endlich erschien, nicht mehr verstanden wurde:
 
Seit die halbwegs zivilisierte Menschheit das Bewusstsein verloren hat, ist die Gesellschaft auf den Kopf gestellt, d. h. je höher die "gesellschaftliche Position" in "dieser Welt" (Zinsgeld-Ökonomie), desto weiter geht das Bewusstsein nicht gegen Null, sondern desto tiefer geht es unter Null:
 
Politik kurzgefasst: Der Versuch, etwas zu "regeln", was nicht geregelt werden kann, solange es sich durch das vom Privatkapitalismus befreite Spiel der Marktkräfte nicht selbst regelt:
 
Religion kurzgefasst: Sündteure Marketingaktion, um der halbwegs zivilisierten Menschheit die Marktwirtschaft (Paradies) mit Privatkapitalismus (Erbsünde) zu verkaufen:
 
"Die Größe der Achtung, die man einem Menschen zollt, wird wie der Preis der Ware durch Nachfrage und Angebot bestimmt."
 
Silvio Gesell, 1906 
("Die Verwirklichung des Rechtes auf den vollen Arbeitsertrag durch die Geld- und Bodenreform")
 
Weil Sie es sich wert sind: Heute ist der "Normalbürger" durch Politik (berufsmäßige Vollidiotie) und Religion (allgemeine Geisteskrankheit) so sehr an "diese Welt" angepasst, dass er sich nichts anderes vorstellen kann, als dass die Nachfrage nach menschlicher Arbeitskraft stets kleiner bleibt als das Angebot. Der umgekehrte Fall, dass die Nachfrage nach menschlicher Arbeitskraft das Angebot dauernd übertrifft, sodass die menschliche Arbeitskraft die ökonomisch knappste Ressource darstellt und somit der arbeitende Mensch das Allerwertvollste ist, wäre der eigentliche zivilisatorische Normalzustand nicht erst seit 1906, sondern seit dem Beginn der Zeitrechnung:
 

Stefan Wehmeier, 21.04.2017  


Sonntag, 16. April 2017

Sind Sie politisch oder denken Sie schon?

In der Politikwissenschaft hat sich allgemein die Überzeugung durchgesetzt, dass Politik "die Gesamtheit aller Interaktionen definiert, die auf die autoritative (durch eine anerkannte Gewalt allgemein verbindliche) Verteilung von Werten (materiellen wie Geld oder nicht-materiellen wie Demokratie) abzielen". Politisches Handeln kann durch folgenden Merksatz charakterisiert werden: "Soziales Handeln, das auf Entscheidungen und Steuerungsmechanismen ausgerichtet ist, die allgemein verbindlich sind und das Zusammenleben von Menschen regeln".
 
Politik ist also der Versuch, die Geldverteilung diktatorisch zu regeln, solange sich diese nicht selbst regelt. Und natürlich kann man erst bei vollständiger Selbstregulation von einer echten Demokratie (Volksherrschaft) sprechen, während sich "Demokratie" bis dahin auf das Abwählen von Diktatoren beschränkt. Dass Politiker überhaupt gewählt und nicht nur abgewählt werden, beruht auf dem Aberglauben, marktwirtschaftliche Selbstregulation sei "sozial ungerecht" oder gar "unmöglich". Tatsächlich sind jedoch Massenarmut, Umweltzerstörung und Krieg bei diktatorischer Regelung unvermeidlich, während die vollständige Selbstregulation nicht nur möglich ist, sondern allgemeinen Wohlstand, eine saubere Umwelt und den Weltfrieden automatisch mit einschließt. 

Selbstverständlich ist die Politik (oder eine vermeintlich "falsche Politik") nicht die Ursache der Probleme, sondern die Summe der Gegenreaktionen auf die zahlreichen Zivilisationsprobleme, die eine gemeinsame Ursache haben, und die vollständige Selbstregulation der Marktwirtschaft bedarf der Korrektur dieser gemeinsamen Ursache. Politik wäre noch zeitgemäß, wenn die Ursache aller Zivilisationsprobleme entweder noch gar nicht bekannt oder noch nicht weit genug erforscht wäre, um sie korrigieren zu können. Und eine zeitgemäße Politik müsste dann zusammen mit allen studierten "Wirtschaftsexperten" mit Hochdruck daran arbeiten, die Ursache zu erforschen, bis sie vollständig korrigiert wäre. Aber das können sich diese Vollidioten getrost sparen, denn schon seit mehr als 3200 Jahren ist die Ursache aller Zivilisationsprobleme, die sich überhaupt thematisieren lassen, wissenschaftlich korrekt umschrieben, und seit nunmehr fast 2000 Jahren hätte diese "Mutter aller Zivilisationsprobleme" bereits korrigiert sein können:  


"Trotz der heiligen Versprechen der Völker, den Krieg für alle Zeiten zu ächten, trotz der Rufe der Millionen: 'Nie wieder Krieg', entgegen all den Hoffnungen auf eine schönere Zukunft muss ich sagen: Wenn das heutige Geldsystem, die Zinswirtschaft, beibehalten wird, so wage ich es, heute schon zu behaupten, dass es keine 25 Jahre dauern wird, bis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg stehen. 
    Ich sehe die kommende Entwicklung klar vor mir. Der heutige Stand der Technik lässt die Wirtschaft rasch zu einer Höchstleistung steigern. Die Kapitalbildung wird trotz der großen Kriegsverluste rasch erfolgen und durch Überangebot den Zins drücken. Das Geld wird dann gehamstert werden. Der Wirtschaftsraum wird einschrumpfen, und große Heere von Arbeitslosen werden auf der Straße stehen. An vielen Grenzpfählen wird man dann eine Tafel mit der Aufschrift finden können: 'Arbeitssuchende haben keinen Zutritt ins Land, nur die Faulenzer mit vollgestopftem Geldbeutel sind willkommen.' 
    Wie zu alten Zeiten wird man dann nach dem Länderraub trachten und wird dazu wieder Kanonen fabrizieren müssen, man hat dann wenigstens für die Arbeitslosen wieder Arbeit. In den unzufriedenen Massen werden wilde, revolutionäre Strömungen wach werden, und auch die Giftpflanze Übernationalismus wird wieder wuchern. Kein Land wird das andere mehr verstehen, und das Ende kann nur wieder Krieg sein."
 
Silvio Gesell (Herbst 1918, direkt nach dem Ende des 1. Weltkrieges)
 
Wo die Menschheit heute vielleicht schon sein könnte, wäre die Natürliche Wirtschaftsordnung (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus = echte Soziale Marktwirtschaft) noch vor dem 2. Weltkrieg (der in diesem Fall nicht nötig gewesen wäre) verwirklicht worden, kann bestenfalls erahnen, wer die "Großen Vier" (Heinlein, Asimov, Lem, Clarke) vollständig gelesen hat;...
 
...und wo wir heute wären, hätte es die schlimmste Verbrecherorganisation aller Zeiten, die "heilige katholische Kirche", nicht gegeben, sprengt jedes Vorstellungsvermögen:
 
Stattdessen befindet sich die halbwegs zivilisierte Menschheit, mit freundlicher Unterstützung der "unterirdischten Verschwörung, die es je gegeben hat" (Zitat: Friedrich Nietzsche), noch immer im tiefsten Mittelalter und das dumme Volk wartet auf eine "politische Lösung" für die "Finanzkrise", die es als theoretische Möglichkeit sogar gibt: der 3. Weltkrieg! Einziges Problem: die atomare Abschreckung! Beim gegenwärtigen Atomwaffen-Arsenal lässt sich der 3. Weltkrieg nicht zweckdienlich auf eine umfassende Sachkapitalzerstörung zur Anhebung des globalen Zinsfußes beschränken, sondern würde die ganze Biosphäre des Planeten zerstören. Für die "politische Lösung" müssten also zuerst alle Atomwaffen vernichtet sein, um sich dann wieder der alten Tradition widmen zu dürfen, fremde Köpfe einzuschlagen, statt die eigenen einmal anzustrengen:  


"Es ist schwierig, jemanden etwas verstehen zu machen, wenn sein Einkommen davon abhängt, es nicht zu verstehen."
 
Upton Beall Sinclair (1878-1968) 

Berufspolitiker glauben, dass, wenn schon nicht für die "Finanzkrise" selbst, es doch wenigstens für die zahlreichen Auswirkungen dessen, was ihnen nebelhaft als "Finanzkrise" erscheint, "politische Lösungen" existieren müssten. Und selbst wenn sie es nicht glauben, muss nur das Wahlvolk daran glauben, damit die "hohe Politik" weiterwursteln kann. Kein Politiker kann die "Finanzkrise" verstehen, weil mit ihrer friedlichen Überwindung die Politik überflüssig wird:

http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/12/der-abbau-des-staates.html 

Die Politiker wollen also gar nicht erst wissen, was die "Finanzkrise" eigentlich ist, und darum wird diese von den etablierten Massenmedien (mittlerweile als "Lügenpresse" bezeichnet) auch nicht bei ihrem wissenschaftlich korrekten Namen genannt. Denn das allein würde die "hohe Politik" schon blamieren, und von politischer Berichterstattung ist die Lügenpresse in hohem Maße abhängig. Um alle politischen Diskussionen, Fachartikel, etc., die noch immer vom politisierten Wahlvolk nachgefragt werden, der Lächerlichkeit preiszugeben, muss zuerst die Nachfrage der Denkfähigen, sich über die ganze Nutzlosigkeit der Politik zu informieren, mindestens so groß werden wie die Nachfrage der (noch) Denkunfähigen, sich weiterhin mit dem Nutzlosen zu beschäftigen. Erst dann können die Massenmedien es sich leisten, die Wahrheit zu verbreiten. Niemand kann die Massenmedien dafür verurteilen, dass sie die Nachfrage der Denkunfähigen nach weiteren Lügen befriedigen, und ebenso wenig können Politiker dafür verantwortlich gemacht werden, dass sie immer nur nach "politischen Lösungen" suchen, denn für nichts anderes wurden sie von den Denkunfähigen gewählt. Hier ist es angebracht, Denkfähigkeit zu definieren: 

Denkfähige sind echte Demokraten (Befürworter der Volksherrschaft), die eine sozial vollkommen gerechte marktwirtschaftliche Selbstregulation für unbedingt wünschenswert erachten. 

Denkunfähige halten marktwirtschaftliche Selbstregulation für "sozial ungerecht" oder "unmöglich", sodass sich "Demokratie" auf das Wählen und Abwählen von Diktatoren beschränkt. 

Denkfähigkeit (Egoismus) ist heute bestechend einfach, Denkunfähigkeit (Selbstsucht) ist sinnlos kompliziert. Egoisten suchen stets den besten Weg, wie sich jeder mit eigener Leistung den größtmöglichen persönlichen Wohlstand erarbeiten kann, während Selbstsüchtige nach vielen Wegen suchen, um sich persönlichen Reichtum durch die Mehrarbeit anderer zu erschleichen. Die Selbstsucht ist bis heute vorherrschend und wird immer verlogener, weil die Entwicklung zum wahren Egoismus um 580 v. Chr. eine Unterbrechung erfuhr:  


Als die Religion (Programmierung des kollektiv Unbewussten zur Anpassung des Volkes an eine noch fehlerhafte Arbeitsteilung) vom Wahnsinn mit Methode zum Wahnsinn ohne Methode mutierte, verlor die halbwegs zivilisierte Menschheit komplett das Bewusstsein, bevor der wahre Egoismus verwirklicht werden konnte. Heute ist es außerordentlich schwer, die Denkunfähigen von ihren zahlreichen Vorurteilen zu befreien, denn sie haben sich von vorlauten Moralpredigern immer wieder einreden lassen, dass der Weg zur Zivilisation nur über die Selbstverleugnung möglich sei: 

"Der Egoismus besteht darin, sein Glück auf Kosten anderer zu machen." 

Jean Baptiste Henri Lacordaire (1802 – 1861) 

Denkfähige wissen, dass Selbstverleugnung nur Heuchler schafft, und dass wahre menschliche Größe niemals auf Lügen, sondern nur auf Tatsachen aufgebaut sein kann: 

"Egoismus ist kein Prinzip, sondern die eine Tatsache." 

Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) 

Wenn die mittelalterliche Makroökonomie mir nur die Möglichkeit lässt, mich auf Kosten anderer zu bereichern (Zinsgewinner), damit andere sich nicht auf meine Kosten bereichern (Zinsverlierer), hat kein dahergelaufener Moralologe das Recht, meinen Egoismus zu verurteilen, sondern der wahre Egoist hat jedes Recht, eine unmoralische Gesellschaft von Denkunfähigen zu verurteilen, die ihn zwingt, andere arm zu machen, um selbst reich zu werden:  


Es könnte alles so einfach sein, hätte die halbwegs zivilisierte Menschheit nicht schon vor langer Zeit das Denken an den "lieben Gott" delegiert, ohne zu ahnen, auf welchen alten Halunken sie sich da eingelassen hatte. Die Befreiung der Marktwirtschaft (Paradies) vom Privatkapitalismus (Erbsünde) ist rein technisch gesehen heute relativ einfach – aber erst nach dem elementaren Erkenntnisprozess der "Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion":  


Wer das nicht oder noch nicht ganz geschafft hat, macht einen Denkfehler nach dem anderen und kann die dringend erforderliche Natürliche Wirtschaftsordnung niemals verwirklichen, ohne eine Katastrophe in der Katastrophe auszulösen:  


Noch immer werden die "banalsten Selbstverständlichkeiten" nicht verstanden,...  


...und ich durfte diesen echt beschissenen Job übernehmen:  



Stefan Wehmeier, 16.04.2017  


Sonntag, 2. April 2017

Das zivilisatorische Mittelalter


"Das Böse in der Welt rührt fast immer von der Unwissenheit her, und der gute Wille kann so viel Schaden anrichten wie die Bosheit."
 
Albert Camus (1913-1960) 

Beispiel 1: 
Die Opferzahl der aus gutem Willen agierenden Schulmedizin übertrifft die des Zweiten Weltkrieges deutlich. 
Beispiel 2: 
Der Zweck des Krieges ist eine umfassende Sachkapitalzerstörung, um den Zinsfuß hochzuhalten. 
Beispiel 3: 
Seit der Mensch Geld benutzt, hat es noch nie einen gerechten Tausch und einen gerechten Verleih gegeben. 
Beispiel 4: 
Marktwirtschaft und Privatkapitalismus sind Gegensätze und eine sozialistische Planwirtschaft bedeutet immer Staatskapitalismus. 
Beispiel 5: 
Jede Ausbeutung entsteht immer durch eine Einschränkung der Konkurrenz und kann nur durch vollkommene Konkurrenz ganz beseitigt werden. 
Beispiel 6: 
Kein Politiker und kein Theologe weiß, was er tut. 
Beispiel 7: 
Die Ursache aller Zivilisationsprobleme ist die in Genesis_3 umschriebene Erbsünde, die von der Religion aus dem Begriffsvermögen der halbwegs zivilisierten Menschheit ausgeblendet wurde. 

Das sollte reichen, damit der verehrte Leser sich fragen muss, welcher Weltverschwörungssekte der Autor dieses Artikels angehören mag, denn so seltsam wie hier dargestellt kann die Welt ja wohl nicht sein. Ist sie doch; sie ist noch viel seltsamer. Die oben genannten Beispiele sind nicht anzweifelbar und es gibt noch viele solcher Beispiele, die nicht anzweifelbar sind. Für "diese Welt" gilt sowohl im Negativen als auch im Positiven, was Arthur C. Clarke im Vorwort zu "2001 – Odyssee im Weltraum" schrieb: 

"Man bedenke, dies ist nur Science-Fiction. Die Wahrheit wird – wie stets – weit seltsamer sein." 

Das Positive: 
Der Himmel auf Erden ist keine Utopie, sondern der seit 2000 Jahren verhinderte Normalzustand. 

Das bisher Gesagte ist schon ausreichend, damit jemand, der streng logisch vorgeht, alles Weitere selbst herleiten kann, um am Ende zu wissen, dass der wahre Himmel auf Erden alles übertreffen wird, was man sich bisher darüber erträumen konnte. Es gibt dabei nur eine Schwierigkeit: 

"Man kann sich auf Unvorhersehbares nur vorbereiten, indem man versucht, aufgeschlossen und unvoreingenommen zu bleiben - ein außerordentlich schwieriges Unterfangen, selbst beim besten Willen der Welt. Ein vollkommen offener Verstand müsste leer sein, und Freiheit von allen Vorurteilen und vorgefassten Meinungen ist ein unerreichbares Ideal." (Arthur C. Clarke)
 
Als ich am 17. Dez. 2002 die einmalige Gelegenheit bekam, mit Sir Clarke persönlich zu sprechen, machten wir uns nur über Politik und Religion lustig, nachdem er mir 10 Worte übergeben hatte,...
 
God said 'Cancel Program GENESIS'. The universe ceased to exist.
 
...mit denen ich zunächst nichts anfangen konnte. Erst Jahre später erkannte ich deren Bedeutung und es dauerte weitere Jahre, um alle wesentlichen Zusammenhänge zu verstehen und diese mit immer weniger Worten erklären zu können:
 
Die wirkliche Matrix, in der sich die halbwegs zivilisierte Menschheit seit 3200 Jahren befindet, braucht keine "Maschinen" wie im Kinofilm "Matrix" bildlich dargestellt, sondern ist "nichts weiter" als die Summe aller Vorurteile und vorgefassten Meinungen, die der "Normalbürger" nötig hat, um "diese Welt" für die "beste aller möglichen Welten" zu halten. Wie weit das von der Wahrheit entfernt ist, hatte schon im 19. Jahrhundert der Philosoph Friedrich Nietzsche erkannt. Obwohl ihm das erforderliche Basiswissen noch fehlte, kam er zu einem ganz erstaunlichen Ergebnis:
 
"Diese ewige Anklage des Christentums will ich an alle Wände schreiben, wo es nur Wände gibt, - ich habe Buchstaben, um auch Blinde sehend zu machen… Ich heiße das Christentum den Einen großen Fluch, die Eine große innerlichste Verdorbenheit, den Einen großen Instinkt der Rache, dem kein Mittel giftig, heimlich, unterirdisch, klein genug ist, - ich heiße es den Einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit…" 
(Der Antichrist, 1888)
 
Es muss betont werden, dass dieses Zitat nicht als Beschimpfung, sondern als das Resume einer umfassenden und ehrlichen Analyse zu verstehen ist. Wer für die ungeheure Perversion dessen, was sich bis heute "Christentum" nennt, die passenden Worte finden will, hat es außerordentlich schwer. Hätte Nietzsche erfahren können, um wieviel giftiger, heimlicher, unterirdischer und kleinlicher sich der Racheinstinkt nach heutigem Wissen darstellt, wären wohl auch ihm die Buchstaben ausgegangen. Glücklicherweise ist der Schandfleck nicht unsterblich, sondern steht kurz vor dem Ende, sodass es an der Zeit ist, den Fluch aufzulösen. 

Perversion bedeutet Umkehrung, und in diesem Fall wurde die Lehre des Jesus von Nazareth in ihr Gegenteil verkehrt. Nicht die gesamte bisherige Science-Fiction Literatur, sofern es sich um positive Utopien handelt, könnte einen Eindruck von der überwältigenden Großartigkeit einer alternativen Gegenwart vermitteln, in deren Vergangenheit die Erkenntnis des Jesus von Nazareth schon zu dessen Lebzeiten praktisch angewendet worden wäre. Man stelle sich vor, der heutige Stand des Wissens und der Technologie wäre bereits im dritten oder vierten Jahrhundert erreicht worden, während Armut und Krieg schon genauso lange überwunden und Umweltverschmutzung und -zerstörung niemals Thema gewesen wären. Von dort aus noch einmal siebzehn Jahrhunderte in die alternative Zukunft zu extrapolieren, wäre nicht einmal für die äußersten Grenzen des Möglichen noch zulässig. Was Jesus entdeckte, lange bevor es in "dieser Welt" schon vor einem Jahrhundert wiederentdeckt und aufgrund militanter Blödheit bis heute nicht verwirklicht wurde, ist nichts Geringeres als der eigentliche Beginn der menschlichen Zivilisation: 

"Wir wären weit, weit über den Kapitalismus hinaus (Kapitalismus = wirtschaftlicher Zustand, in dem die Nachfrage nach Geld und Realkapitalien das Angebot übertrifft und darum den Zins bedingt), wenn seit 3000 Jahren durch die Wirtschaftskrisen die Kultur nicht immer wieder die mühsam erklommenen Stufen heruntergestoßen worden wäre; wenn die bettelhafte Armut, in der jede Krise die Volksmassen hinterlässt, nicht die Bettlergesinnung großgezogen hätte, die nun einmal den Menschen, groß und klein, in den Knochen liegt. … Die Plage des Hungers und der Druck der Schulden sind böse Erzieher. …Und wo wären wir heute in wissenschaftlicher, technischer, … Beziehung angelangt, wenn die vielversprechende Kultur, die das Gold, obschon blutbefleckt, geraubt und erpresst, in Rom erstehen ließ, nicht unter einer anderthalbtausendjährigen, durch Geldmangel erzeugten ökonomischen Eiszeit erstarrt, vergletschert, vernichtet worden wäre? Sicherlich säßen wir jetzt auf dem Throne Gottes und ließen das All im Kreis an unserem Finger laufen."
 
Silvio Gesell (aus "Die neue Lehre vom Geld und Zins", 1911)
 
Bis heute herrscht auf diesem kleinen blauen Planeten am Rande der Galaxis ein "wirtschaftlicher Zustand, in dem die Nachfrage nach Geld und Realkapitalien das Angebot übertrifft und darum den Zins bedingt", weil seit dem Beginn des zivilisatorischen Mittelalters der "Normalbürger" glaubt, dass Zinsen auf "Apfelbäumchen" wachsen und nicht durch die Mehrarbeit anderer:
 
Wer die Matrix komplett verstanden hat, kann in ihr Gott spielen, ohne dass die Matrix-Bewohner entscheiden können, ob es sich um einen Scherz handelt oder nicht. Gerade hatte ich mir überlegt, diesen echt beschissenen Job (dafür muss der obige Link gelesen werden) doch noch eine Weile auszuüben, da taucht schon ein neues Problem auf:
 
"Sollte es irgendwelche Götter geben, deren Hauptanliegen der Mensch ist, so können es keine sehr bedeutenden Götter sein." (Arthur C. Clarke)
 
Sollte also mein Hauptanliegen doch darin bestehen, die Menschheit vor dem evident werden der globalen Liquiditätsfalle (Armageddon) zu retten, obwohl sie es nicht verdient hat, so könnte ich kein sehr bedeutender Gott sein und müsste somit gegen das eigene 2. Gebot verstoßen:
 
OK, dann muss zumindest die Gage noch mal erhöht werden. Popelige 48 Mrd. € waren schon 2009 ein Sonderangebot und seitdem ist die Aufgabe nicht einfacher geworden:
 
Dass Zinsen nicht auf "Apfelbäumchen" wachsen und leistungsloses Einkommen auf Kosten der Mehrarbeit anderer darstellen, sind mit Sicherheit die "banalsten Selbstverständlichkeiten",...
 
...aber nicht für verfluchte kleine Moralologen (dafür muss der obige Link gelesen werden) mit ausgebildetem Racheinstinkt, denen kein Mittel giftig, heimlich und unterirdisch genug ist, um ihre innerlichste Verdorbenheit mit perfidem Moralgeschwätz zu verbergen. Einer solch verkommenen Horde anständiges Wirtschaften beizubringen, anstatt die ganze Angelegenheit einfach durch die globale Hyperinflation (Sintflut) erledigen zu lassen, ist wirklich das Letzte, was unsereins sich aufhalsen kann. Seit diesem alten Spruch...
 
Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist.
 
...glaubt jeder kleine Sesselfurzer, er wüsste schon was, wenn er den "großen Moralologen" spielt. Noch weiter kann man nicht irren, aber genau das war die Absicht des alten Halunken, dessen Job ich übernehmen durfte. Also nochmal zum Mitschreiben: Die Guten haben das größte Problem damit, wenn die Umstände sie zu einer Lüge zwingen, während es den Bösen die größten Probleme bereitet, wenn ihnen keine Lüge mehr einfällt, um sich einen weiteren persönlichen Vorteil zu erschleichen. Werden nun die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so eingestellt, dass niemand mehr gezwungen ist zu lügen und niemandem eine Lüge zum Vorteil gereicht (der alte Halunke wusste damals noch nicht, wie das geht), hat sich der ganze gut/böse-Kram erledigt:
 
Aber nein, die innerlichste Verdorbenheit geht so weit, auf das alberne "gut" und "böse" schon allein wegen des Unterhaltungswertes nicht verzichten zu wollen. Denn womit sonst sollte sich im "Alltag" des zivilisatorischen Mittelalters, über das die Matrix-Bewohner nicht hinaus denken können, die Zeit vertreiben lassen? Es ist ja viel interessanter, fremde Köpfe einzuschlagen, statt die eigenen einmal anzustrengen. Und danach lässt sich noch eine lustige Moralologen-Debatte führen, welche Hohlköpfe jeweils "im Guten" oder "im Bösen" zertrümmert wurden.
 
Das tollste am Gott-spielen: Man kann so herrlich herablassend sein, denn mit genügend Überblick ist man immer im Recht. Man setzt das Spielchen aber nur gelegentlich als Stilmittel und zur Belustigung ein, denn die Zeiten, in denen Gott-sein noch erstrebenswert war, sind lange vorbei. Schon Mose hatte das im vorantiken Ägypten noch ausschließlich gebrauchte Prinzip "Herrsche!" durch das effektivere "Teile und herrsche!" ersetzt, und seit Jesus ist auch das überholt. Die Machtausübung des Menschen über andere Menschen war immer nur Mittel zum Zweck, um zur wahren Macht der Beherrschung der Dinge zu gelangen:
 
"Euer Wille sage: der Übermensch sei der Sinn der Erde! Ich beschwöre euch, meine Brüder, bleibt der Erde treu und glaubt denen nicht, welche euch von überirdischen Hoffnungen reden! Giftmischer sind es, ob sie es wissen oder nicht." (Also sprach Zarathustra.)
 
Der von Nietzsche erdachte Prophet Zarathustra ist Jesus von Nazareth, wie er wirklich war,...
 
...und der "Übermensch" ist der eigenverantwortliche Kulturmensch in der vom Privatkapitalismus (Erbsünde) befreiten Marktwirtschaft (Paradies), die auf die Ideen des Einzelnen so reagiert wie ein audiophiler Leistungsverstärker auf die feinsten Änderungen seines Eingangssignals:
 
Das zivilisatorische Mittelalter (Zinsgeld-Ökonomie) besteht bis heute, weil der Matrix-Bewohner das Prinzip "Teile und herrsche!" nicht aufgeben will. Der "Normalbürger" ist so besoffen von der unwahrscheinlichen Möglichkeit, eines Tages auf Kosten anderer zu existieren (Zinsgewinner), dass er die wahrscheinlichere Möglichkeit, dass andere auf seine Kosten existieren (Zinsverlierer), lieber bis an sein Lebensende erträgt, um sich die Option auf die unwahrscheinliche Möglichkeit zu erhalten, anstatt auf diese lächerliche Option zu verzichten, damit in Zukunft die Macht über die Dinge für alle grenzenlos wird:
 
Aber wer nicht hören will,...
 
...darf über das Ende schon mal lesen:
 
Der Mensch, als "Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch", muss erst zerreißen, um sich an das eine oder andere Ende zu klammern. Man darf gespannt sein, an welcher Stelle das Seil reißt.
 

Stefan Wehmeier, 02.04.2017  
www.deweles.de